Kultur im Scheffel

Veranstaltungs-Nachlese


Lahrer Zeitung vom 26.11.98

Odysseus bei den Phäaken

oder:

Spiel mir das Lied vom hölzernen Pferd

Drama in 11 Bildern

plakat.gif (134210 Byte)

Die griechische Theater-AG des Scheffel-Gymnasiums Lahr

Leitung: Isabella Kuhn

neugestaltet nach der Odyssee des Homer

 

Die Maske des Kyklopen  

 


Zeitungskritiken:

Lahrer Zeitung, 22.10.98

Theater im Scheffel-Gymnasium

Sehr couragierte Interpretation

Von unserem Mitarbeiter Matthias Heidinger

Lahr.

Als sich nach der Aufführung alle Akteure und Helfer auf der Bühne der Aula im Scheffel-Gymnasium aufreihten, konnte ein jeder der zahlreichen Zuschauer sich selbst ein Bild davon machen, wie viele eifrige Köpfe und Hände am Gelingen eines sehr interessanten Laientheaterabends mitwirken. Und der Einsatz hat sich gelohnt. 90 Minuten lang bot die griechische Theater-AG des Scheffel-Gymnasiums ihre sehr couragierte Interpretation vom letzten Teil von Homers Odyssee unter dem Titel: "Spiel mir das Lied vom hölzernen Pferd - Odysseus bei den Phäaken".

Dabei war es nicht nur die große Anzahl an Mitwirkenden, die verblüffte, sondern die sehr engagierte und fast schon hingebungsvolle Darbietungsweise, die am Dienstag abend deutlich zu erkennen war. Was vor über einem Jahr als Arbeitsgruppe "Griechische Mythologie" begann, entwickelte sich im Laufe der Monate durch sehr intensive Auseinandersetzung mit den Mythen der alten Griechen zu jener Theatergruppe.

Der Schiffbruch des Odysseus auf der Phäaken-Insel, der letzten Station vor seiner Heimkehr nach Ithaka, hatte die griechische AG besonders in ihren Bann gezogen und viele Fragen, auch mit aktuellem Bezug, aufgeworfen: Warum blieb er nicht nur auf dieser zauberhaften Insel, wo die Menschen so gütig waren und ihm alles zu Füßen legten? Warum werden die Phäaker für ihre Güte ("In jedem Fremden kann ein Gott stecken") so grausam vom tobenden Poseidon bestraft, obwohl sich dessen Zorn eigentlich auf Odysseus richten sollte? Ist die gutgläubige, gönnerhafte Haltung des Königs Alkinoos falsch? Und: Ist reine Güte nicht erstrebenswert, da sie, wie bei Homer, schlimme Konsequenzen hat? Diese Gedanken umsetzend, betonte die Inszenierung unter der Leitung von Isabella Kuhn nicht die Geschichte des heldenhaften, aber gewissenlosen Ithaka-Fürsten, sondern die leidende und letztlich den Märtyrertod sterbende Nausikaa, die den Fortgang ihres Auserwählten nicht verkraftet.

Die sehr intensive Behandlung des Themas und nicht zuletzt die kreative und beherzte Umsetzung übersteigt bei weitem die herkömmlichen Ansprüche eines Schultheaters. Alle zwölf Szenen sind kunstvoll ausstaffiert und zeugen von Ideenreichtum und Kunstfertigkeit.

Heute, Donnerstag, um 19 Uhr gibt es noch einmal die Gelegenheit, das antike Stück in dieser charmanten Interpretation zu sehen.

 


 

Badische Zeitung, 22.10.98

Gelungene Uraufführung am Scheffel

Schülerinnen und Schüler führten Homers "Odysseus bei den Phäaken" als Liebestragödie auf

VON UNSERER MITARBEITERIN KAREN HESSE

LAHR. Nach zwei Jahre langer, intensiver Arbeit war es endlich so weit. Die "Griechische-Theater-AG" des Scheffelgymnasiums führte am Dienstagabend das sehenswerte Theaterstück "Odysseus bei den Phäaken oder Spiel mir das Lied vom hölzernen Pferd" in der Aula der Schule auf. Selbständig haben die Jugendlichen das "Drama in zwölf Bildern" nach der Odyssee Homers neugestaltet: Sie schrieben es als Drama der Nausikaa und bauten somit die bei Homer nur angedeutete Liebesbesbeziehung zwischen Odysseus und der Königstochter Nausikaa zur Liebestragödie aus.

"Ich bin Eos, die Morgenröte..." Mit diesen Worten wehte Leonie Wilhelm, eingehüllt in rot-goldene Schleier, auf die Bühne und führte das Publikum mit ihrem Prolog mitten in die Welt der alten Griechen. Schon begannen Philipp Zähringer als Meeresgott Poseidon und Anna Kalt als dessen Gattin über die Situation Odysseus' in einem Mix aus antiker und moderner Wortwahl äußerst lebendig zu diskutieren. Und da sich die beiden nicht einigen konnten, wurden die Zuschauer direkt in das Leben auf der Insel Phäa versetzt.

 

Schlummernde Talente

Lisa Obert hätte die Rolle der hochnäsigen und verwöhnten Nausikaa nicht besser spielen können. Ihre Mimiik war so klar und deutlich, daß jeder schon im voraus erahnen konnte, was sie nun sagen würde oder wie sie auf den von Jonas Sauer einfühlsam gespielten Odysseus reagieren könnte. Ebenso wurde auch in Jöran Kaußel ein schlummerndes Talent geweckt. Seine schauspielerischen Fähigkeiten sind im Verlauf des Stücks immer deutlicher geworden. Allein die Ausdrucksstärke in seiner Stimme genügte, um dem Publikum den gutmütjgen König Alkinoos nahezubringen. Alle Besucher konnten zuletzt regelrecht mit ihm mitfühlen, als ihn seine großen Werte "Gastfreundschaft" und "Brüderlichkeit" um sein imaginäres Imperium brachten.

Mit der Kritik Zeus' an der idealen Denkart - "der Mensch ist nicht gebaut für das ungemischte Gute. Zuviel des Guten ist geschehen" - hätte dlas Theaterstück wohl besser aufhören sollen. Denn mit dieser zentralen Aussage des Göttervaters am Schluß wäre auch der runde Rahmen zum Anfang hergestellt gewesen und das Ende nicht so erzwungen erschienen.

Dennoch war died Premiere eindeutig gelungen und alle Beteiligten, besonders die engagierte Lehrerin Isabella Kuhn, können diese Aufführung sichtlich als einen großartigen Erfolg ihrer außerschulischen Aktivität verbuchen - und diesen heute abend um 19 Uhr erneut in der Scheffel-Aula stolz ihrem Publikum präsentieren.

 


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