Großer Erfolg der Theatergruppe des Scheffel-Gymnasiums mit Elias Canettis "Komödie der Eitelkeit"
Das Stück und die Darsteller...
Die Fotos... (von Endrik Baublies, Lahrer Zeitung - vielen Dank!)
Kontakt: Christa Möllinger

Elias Canetti |
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Komödie |
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Theatergruppe des Scheffel-Gymnasiums |
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Montag, 21. Juni |
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Dienstag, 22.Juni |
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Mittwoch, 23. Juni |
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20°° - Scheffel-Gymnasium - Aula |
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| Personen | |||
| in der Reihenfolge ihres Auftretens | |||
| Der Ausrufer Wenzel Wondrak | Ulrich Kleine | ||
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Jana Trampert | ||
| Witwe Weihrauch | Elena Bär | ||
| Schwester Luise | Daniela Fink | ||
| Barloch, Packer | Andreas Kerbs | ||
| Anna Barloch, seine Frau | Magdalena Heinrich | ||
| François Fant, Sohn | Michael Kleine | ||
| Franzl Nada, ein alter Dienstmann | Sven Hager | ||
| Franzi Nada, seine Schwester | Magdalena Heinrich | ||
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Lena Schmidt | ||
| Puppi | Dorothee Reith | ||
| Gretl | Ronja Ruder | ||
| Lizzi | Katharina Schütze | ||
| Lori | Lisa Müller | ||
| Fritz Schakerl, Lehrer | Mattias Fürstenberger | ||
| Emilie Fant, Mutter | Alexandra Bernal | ||
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Andreas Kerbs | ||
| Leda Frisch | Annemarie Hübers | ||
| Egon Kaldaun | Meno Koller | ||
| Lya, seine Frau | Esra Nur Alpsoykan | ||
| Marie, das Mädchen für alles | Stella Votteler | ||
| Kaldauns Einziges | Dorothee Reith | ||
| Der Prediger Brosam | Jonathan Braun | ||
| Therese Kreiss, Gemischtwarenhändlerin | Katja Geiger | ||
| Milli Kreiss, ihre Tochter | Leonie Wilhelm | ||
| Fritz Held, Friseur | Stephan Wieber | ||
| Josef Garaus, Direktor | Sophie Ewald | ||
| S. Bleiss | Benjamin Himmen | ||
| Mary, neue Zofe | Barbara Hübers | ||
| Mann | Christian Drescher | ||
| Junge | Christian Haarhaus | ||
| Junge | Markus Schüssele | ||
| Ton | Christian Boulay, Stefan Ruder | ||
| Licht | Felix Grundhöfer, Philipp Grundhöfer, Viktor Steigerwald | ||
| Maske | N.N. | ||
| Technische Einrichtung | Rainer Lehmann | ||
| Regie | Christa Möllinger |
Komödie der Eitelkeit entstand 1934, erschien 1950 und wurde 1965 in Braunschweig uraufgeführt.
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Die Zurückführung der dramatischen Figur auf ein Tier lässt sich mit dieser Auffassung sehr wohl vereinen. Jedes Instrument ist ein ganz bestimmtes Tier oder zumindest ein eigenes und wohl abgegrenztes Geschöpf, das mit sich nur auf seine Weise spielen lässt. Im Drama hat man die göttliche und über alle anderen Künste erhabene Möglichkeit, neue Tiere, also neue Instrumente, neue Geschöpfe zu erfinden, und je nach ihrer thematischen Fügung eine immer wieder anders geartete Form. |
Elias Canetti, Die Provinz des Menschen. Aufzeichnungen 1942-72 |
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Das Drama ist von allen Möglichkeiten des Menschen, sich zusammenzufassen, die am wenigsten verlogene. Elias Canetti |
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Lahrer Zeitung, 22. Juni 1999 Eine gelungene Premiere
Elias Canettis "Komödie der Eitelkeit" im Scheffel-Gymnasium aufgeführt
Mit Erfolg führte die Theater-AG des Scheffel-Gymnasiums gestern abend die "Komödie der Eitelkeit" von Elias Canetti auf. Von Endrik Baublies. Lahr.
Eine Welt ohne Spiegel, Fotografien, Filme oder Bilder müßte frei von jeder Eitelkeit sein? Denkste! Die "Komödie der Eitelkeit" von Elias Canetti strotzt nur so von Gutdünkel, Intrigen und aufgeplusterten Menschen. 28 Schüler von der sechsten bis zur zwölften Klasse brillierten in unterschiedlichsten Rollen und Szenen.
Im ersten Teil des als Szenen-Collage aufgebauten Stückes werden Bilder verbrannt und Spiegel zertrümmert. Die Akteure verfallen in einen "Bild- und Spiegelvernichtungstaumel" und "opfern" mit der Preisgabe ihrer Bilder ihre menschliche Substanz. Nicht ohne Folgen: Im zweiten Teil des Stückes geht es drunter und drüber. Im Alltag ohne jedes Spiegelbild bespitzelt und denunziert man sich allenthalben. Und: Scherben bringen hier Unglück. Denn ganz ohne Eitelkeit - sprich der Betrachtung des eigenen Ichs in irgendwelchen Spiegelscherben - kommt man natürlich nicht aus... Die gespenstische Schlußszene spielt in einem gigantischen Spiegelbordell, wo man gegen Bezahlung seiner Eitelkeit - das eigene Ego zu betrachten - frönen darf. In diesem Anblick brechen alle Akteure aus. "Ich!" aus 28 Kehlen beschließt das Drama.
Die Theatergruppe unter der Regie von Christa Möllinger hat mit dieser Inszenierung vollständig überzeugt. Ein Akteur wie Andreas Kerbs beispielsweise spielt zwei völlig gegensätzliche Rollen: den Malocher und Proletarier Barloch und den arroganten Snob Heinrich Föhn. Ohne Änderung der Maske, nur durch den Wechsel der Kleidung schlüpft er in zwei so verschiedene Rollen und füllt beide so überzeugend aus, daß kaum jemand der Zuschauer den gleichen Darsteller erkannt haben dürfte. Der Snob Heinrich Föhn wird begleitet von der nicht minder aristokratischen Leda Frisch (Annemarie Hübers), deren überhebliche Arroganz so überzeugt, daß diese eigentlich negative Rolle ins Gegenteil umschwenkt. Egon Kaldaun (Meno Koller) und Gattin Lay (Esra Nur Alpsoykan) stellen ähnliche Figuren dar.
Es ist überhaupt alles eitel in der "Komödie der Eitelkeit". Besonders durch ihre spielerische Leistung fallen noch der Direktor Josef Garaus (Sophie Ewald) und die Gemischtwarenhändlerin Therese Kreiss (Katja Geiger) auf. Aber dem Geschick der Regisseurin Christa Möllinger ist es zu verdanken, daß auch Dorothee Reith in ihrer Rolle überzeugt. Für die Sechstklässlerin als Mädchen Puppi waren es die ersten Schritte auf den Brettern, die für manche die Welt bedeuten.
Badische Zeitung, 23. Juni 1999 Eine bitterböse Komödie
Grandios und spannend führte die Theatergruppe des "Scheffel" Elias Canettis Stück auf
Wendelinus Wurth. Lahr.
"Großes Theater", resümierte Scheffel-Schulleiter Fritz Godenschwege am Montag abend am Ende der Aufführung der "Komödie der Eitelkeit" von Elias Canetti - aber das ist eher eine Untertreibung. Was die Theatergruppe des Scheffel-Gymnasiums in die Aula stellte, war großartig, grandios und zweieinhalb Stunden lang spannend bis zur Atemlosigkeit.
Christa Möllinger, die seit Jahren ihre Schülerinnen und Schüler immer wieder zu motivieren weiß, hat dieses Mal bis zu dreißig Akteure gleichzeitig auf der Bühne, die sie ohne Hänger durch das abgespeckte, etwas spröde Stück dirigierte. Von Canetti zur Zeit der Machtergreifung der Nationalsozialisten geschrieben, aber erst 1965 uraufgeführt, legt die bitterböse "Komödie der Eitelkeit" einige Mechanismen des Totalitarismus bloß.
Das fängt an mit dem Ausrufer Wenzel, der auf der kulissenlosen Bühne das per Staatsdekret verordnete "Wir"-Gefühl beschwört und die Bevölkerung auf das Kommende einstimmt. Mit dem Verbot von Spiegeln, Photos und Bildern bei Todesstrafe nimmt der Staat den Individuen auch das Selbst und macht sie zur willenlosen, manipulierbaren Masse - eines der großen Themen Canettis.
An den knapp 30 Wiener Typen aller Gesellschaftsschichten, von den Scheffel-Schülerinnen und -Schülern sprachlich und schauspielerisch treffend charakterisiert, zeigt Canetti auf, wie Verführung langsam ihre Kreise zieht, bis ihr zuletzt alle erliegen. Besonders augen- und ohrenfällig vielleicht am Packer Barloch zu sehen, den Andreas Kerbs lebensnah herumproletend spielt.
Erinnerung an die Bücherverbrennung der Nazis
Anfangs eher unwillig, aber zunehmend sich der Massenmeinung unterordnend, liefern die Bürger ihre Spiegel, Bilder sowie Photos und damit ihre Individualität ab. Das prasselnde, bilderverschlingende Feuer erinnert an die Bücherverbrennungen der Nazis. Selbst die Intelligenz fällt der Massenpsychose zum Opfer, wie der sich herzerfrischend ereifernde Prediger Brosam (Jonathan Braun) zeigt.
"Spiegel" wird zum unanständigen Wort, Schmeicheln zum Verbrechen erklärt; statt zu betteln schmeichelt der Dienstmann und erhält sein Almosen, allein der Fant läßt sich bedenkenlos beschmeicheln. Bilder werden schwarz gehandelt, die Entindividualisierung der Menschen so weit getrieben, daß sie gar sich und anderen die Augen ausstechen wollen, nur um der Eitelkeit vorzubeugen. Die "Spiegelkrankheit" grassiert schließlich. "Nur ein Blick in den Spiegel" vermag sie zu kurieren. Denunzieren und Bespitzeln sind an der Tagesordnung.
Im abschließenden Teil sitzen alle Akteure auf der Bühne, von zwei Spiegeln reflektiert, ein leb- und willenloses Wachsfigurenkabinett. Plötzlich erscheint Heinrich Föhn auf der Bühne, die mittlerweile ein Sanatorium darstellt. Er hält eine Rede mit Gedanken aus der Zeit, als jeder noch seine eigenen hatte. Beifall spendet er sich selbst - per Maschine. Am Ende schließt sich der Kreis, wenn das nach Individualität dürstende Volk vorstürmt und ein mehrmaliges "Ich" ins Publikum schreit.
Die vielköpfige Truppe hat mit minimalsten Mitteln ein Maximum erreicht. Minutenlanger, vollauf verdienter Beifall.
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