Aktion Fledermausschutz

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Aufkleber: Fledermäuse brauchen Freunde

Fledermäuse und städtebauliche Planung

Arbeitsgemeinschaft Fledermausschutz

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Nachtaktiv, wie seine Schützlinge 
(BZ vom 11.4.2006)

 

-> Zum BZ-Artikel vom 12.6.2001 (pdf)


Edmund Hensle Arbeitsgemeinschaft Fledermausschutz (AGF) Freiburg

 

Fledermäuse und städtebauliche Planung

Anhand von zwei Beispielen aus dem Bereich des Regierungspräsidium Freiburg sollen die Konsequenzen von Fledermausquartieren auf Planungsvorhaben gezeigt werden.

 

Ettenheim:

Die Wochenstube von Myotis myotis befindet sich in einem ebenerdigen Keller einer ehemaligen Möbelfabrik, die im Januar 1993 Konkurs anmelden mußte.

Das Quartier wurde ganzjährig beheizt durch die neben dem Quartierraum befindlichen Holztrockenräume. Die Durchschnittstemperaturen betrugen, je nach Kellerbereich, 27° C bis 32° C, die relative Luftfeuchtigkeit schwankte zwischen 60% und 93%.

Über das Quartier liegen seit 1979 Beobachtungen vor. Die Bestandszahlen zeigten im Laufe der Beobachtung nach oben und hatten 1992 ihren Höhepunkt bei 1000 Tieren, Weibchen und Jungtiere. Dieser Bestand konnte seitdem gehalten werden.

Bis 1985 wurde das Quartier auch als Wochenstube von der Großen Hufeisennase (Hipposideros ferrumequinum) benutzt. 1992 wurden noch zwei Tiere, 1993 noch ein Tier, seit dem kein Tier mehr nachgewiesen.

Nachdem das Konkursverfahren eingeleitet worden war, wurde der Betrieb eingestellt. Daher sank die Temperatur im dem Quartier bis Februar 1993 auf 18° C und lag Mitte März bei 17° C. Da schon einige Tiere da waren, wurde ein Antrag beim Landratsamt Offenburg auf Einbau einer Heizungen gestellt. Dieser Antrag wurde innerhalb von einer Woche beschieden, so daß eine Gasheizung eingebaut werden konnte. Gleichzeitig wurde mit Unterstützung des Naturschutzbeauftragten, Herrn Bischof, der Antrag gestellt, das Quartier als geschützte Lebensstätte auszuweisen. Diesem Antrag wurde auch innerhalb von einer Woche beschieden, so daß fürs erste das Quartier gesichert war.

Ich habe dann beim Regierungspräsidium den Antrag auf den Erwerb des Quartiers gestellt, die Antragsummen lag bei 1 Million DM. Das Regierungspräsidium Freiburg, Höhere Naturschutzbehörde, legte den Antrag dem Naturschutzfonds vor. Dieser erklärte sich bereit, das Projekt zu finanzieren. Nach langen Verhandlungen mit den verschiedenen Behörde und dem Konkursverwalter konnte das Land Baden-Württemberg das Quartier im Oktober 1996 käuflich erwerben. Die Kaufsumme belief sich schließlich auf 140.000.- DM.

Im Rahmen der Verhandlungen wurde von uns immer die Bereitschaft betont, konstruktiv an einer Lösung der mit dem Konkurs verbunden ökonomischen Probleme mitzuarbeiten. Ich selbst habe der Stadt Ettenheim einen Architekten, Professor an der TH Darmstadt für Städteplanung, vermittelt, der mit den Studenten eines Semesters Modellplanung entwickeln wollte. Ich wurde durch die Höhere Naturschutzbehörde und durch den Naturschutzbeauftragten immer informiert, wenn Verhandlungen geführt werden mußten. Ein mit den Daten der AGF entstandenes Gutachten von Prof. von Helversen, der aus seiner Freiburger Zeit das Quartier auch kannte, lieferte die Grundlagen für alle Entscheidungen der Naturschutzbehörde.

Das Fledermausareal kann ohne weiteres im Rahmen einer Bebauung benutzt werden. So ist vorgesehen, auf dem erworbenen Bereich das von der Stadt in den Bebauungsplan aufgenommen Hackschnitzelheizwerk zu errichten. Über dieses Werk soll dann auch das Quartier beheizt werden, so daß die Gasheizung wieder entfernt werden kann.

Als Konsequenz kann festgehalten werden:

Unerläßlich ist der Kontakt der AGF zu den entscheidenden Behörden; daß ein guter persönlicher Kontakt hier hilft, braucht nicht extra betont zu werden.

Ebenso müssen von der AGF auch Alternativen genannt werden können; ob diese sich verwirklichen lassen, ist nicht entscheidend, sondern daß sie überhaupt vorliegen.

Offensive zahlt sich in den meisten Fällen aus.

 

Lahr - Flugplatz

Der Kaiserwald, in der Rheinebene, gehört zur Gemarkung Lahr, und ist eine Restbestand des alten Mooswaldes. Hier werden seit Jahren durch den Nabu Lahr und die AGF Freiburg die Fledermausvorkommen untersucht. Folgende Arten konnte nachgewiesen werden:
Großer und Kleiner Abendsegler, Wasserfledermaus, Braunes Langohr, Bechsteinfledermaus, Bartfledermaus, Rauhaut- und Zwergfledermaus.

Wegen der Neustrukturierung der NATO wurde durch den Rückzug der Kanadischen Streitkräfte der Flugplatz in Lahr frei. Die Städte Lahr, Offenburg und Freiburg bildeten neben weiteren Privatpersonen und Firmen aus der Region die Flugplatz GmbH.

Da nach der militärischen Nutzung nun das zivile Flugsicherungsrecht gilt, mußte das Verkehrsreferat beim Regierungspräsidium der Flugbetrieb genehmigt werden. Während der Verfahrensdauer weigerte sich das Verkehrsreferat, die Höhere Naturschutzbehörde in das Verfahren miteinzubeziehen. Da diese Situation behördenintern nicht geregelt werden konnte, habe ich beim Südwestfunk/Landesschau angerufen und gefragt, ob Interesse an einer Berichterstattung bestünde, denn in der Zwischenzeit war klar, daß im Rahmen der Flugsicherungsmaßnahmen mindestens 10 Hektar Wald gefällt werden müßten. Die Kronen von etwa 250 Bäumen ragten in den Sicherheitsbereich hinein.
Als im Regierungspräsidium bekannt wurde, daß der Südwestfunk sich für die Angelegenheit interessierte, kam es zu einem Ortstermin mit der Forstdirektion, der Höheren Naturschutzbehörde und den ehrenamtlichen Naturschutzverbänden. Als offiziell am Verfahren beteiligte haben dann die beiden Behörden ihre Positionen und Bedingungen klargelegt, unter denen eine solche Maßnahme genehmigt werden könnte:

  1. der Wald wird ‘umgewandelt’, dazu bedürfte es einer UVP,
  2. alle Bäume, die zu hoch sind und gefällt werden sollten, müssen auf Höhlenbewohner, hier besonders Fledermäuse untersucht werden.

Es war schnell klar, daß unter diesen Bedingungen, der Flugbetrieb so schnell nicht aufgenommen werden konnte.

Nach zwei Wochen kam die Nachricht, daß das Problem gelöst sein, denn nach erneuter Rücksprachen des Verkehrsreferates mit der Deutschen Gesellschaft für Flugsicherheit in Offenbach hat man sich auf einen anderen Steigungswinkel geeinigt, damit kommen die Flugzeuge höher über dem Wald an. Letztendlich mußten nur zwei Bäume eingekürzt werden statt 250. Dies ist in der Zwischenzeit geschehen.

Nur durch das Einschalten der Medien konnte hier eine Änderung bei dem Verkehrsreferat erreicht werden, weil damit für die Spitze des Regierungspräsidiums die Angelegenheit zu viel Publizität erhalten hatte.


Arbeitsgemeinschaft Fledermausschutz
Freiburg i. Br.
Information, Beratung, Hilfe in Fledermausfragen
Tel. 0761/286 431


Mythen und Aberglaube

Fledermäuse stehen nicht mit dem Teufel im Bunde. Grund für ihre Fähigkeit, im Dunkeln zu jagen, ist ihre Orientierung durch Echoortung. Sie können ihre Umgebung hören! Das bedeutet nicht, dass sie blind sind. Manche Arten nutzen ihre Augen zusätzlich zu ihren Orientierungs- rufen. Dass wir sie nicht hören können, liegt an der hohen Frequenz, mit der diese Rufe aus- gestoßen werden. In anderen Kulturen ist die Fledermaus ein Symbol für das Gute. So steht sie in China für Gesundheit, Glück und ein langes Leben.


Sie fliegen mit den Händen!

Fledermäuse sind Säugetiere und bilden nach den Nagetieren mit weltweit rund 950 Arten die zweitgrößte Ordnung innerhalb dieser Klasse. In Deutschland wurden bisher insgesamt 23 Arten nachgewiesen. Fledermäuse sind die einzigen aktiv fliegenden Säugetiere, die sich durch Echoortung in ihrer Umwelt orientieren. Alle in Europa vorkommenden Fledermaus- arten sind Insektenfresser.

Ein Fledermausjahr

Sobald es im Frühjahr warm wird, finden sich die Weibchen in "Wochenstuben" zusammen. In diesen Quartieren (Baumhöhlen, Nistkäste, Dachstühlen, Spalten hinter Holzverschalungen etc.) gebären und ziehen sie ihre Jungen (meist nur eines pro Jahr) auf. Die Männchen leben in dieser Zeit von ihnen getrennt, oft als "Einzelgänger" in anderen Quartieren. Im Herbst, ab September, suchen die Fledermäuse Zwischenquartiere auf, die als Rastplatz, Balz- und Paarungsquartier dienen. Manche Arten legen beim Wechsel zwischen Sommer- und Winter- quartier Strecken bis zu 1500 Kilometern zurück. Ab Oktober ziehen sich die Tiere in die Winterquartiere (Stollen, Höhlen, Keller, Holzstapel, Baumhöhlen etc.) zurück, um Winter- schlaf zu halten.

Warum müssen sie geschätzt werden?

Fledermäuse erfüllen eine wichtige Aufgabe im ökologischen System. Die Insekten, die sie fressen, können uns keinen Schaden mehr zufügen.Die Bestandserfassungen der letzten 30 Jahre zeigen, dass die Zahl der Fledermäuse drastisch zurückgegan- gen ist. Vier Arten gelten hierzulande bereits als ausgestorben, alle anderen Arten gelten als vom Aussterben bedroht und stehen auf der Roten Liste. Ursachen für diese Entwicklung sind unter anderem die Zerstörung von Wohnmöglichkeiten, der Einsatz von Insektiziden und Holzschutzmitteln, Veränderungen der Lebensräume durch Flurbereinigung und Fällen Bäumen, Vertreibung bzw. Töten der Tiere und Störungen durch Höhlentourismus. Unser eigenes Wohlbefinden sollte der Antrieb sein für einen wirksamen Schutz der Fledermäuse! Denn die Auswirkungen der Umwelteinflüsse auf diese Tiere gehen auch an uns nicht spurlos vorüber. So sind die Bestandszahlen ein Anzeiger für den Grad unserer Lebensqualität.

Was tut die Arbeitsgemeinschaft Fledermausschutz?

Ziel unserer Arbeit ist es, den Schutz der Fledermäuse und damit auch den Umwelt- und Naturschutz zu einer wichtigen und dringend notwendigen öffentlichen Aufgabe zu machen. Um dies zu erreichen, bieten wir Vorträge, Workshops, Ausstellungen und Beratungen an. Durch Beobachtungen von Quartieren und Jagdgebieten erhalten wir Daten über Vorkommen, Verhaltensweisen und Lebensräume von Fledermäusen. Diese dienen als Grundlage für gezielte Schutzmaßnahmen. Betreuung und Schutz von bekannten Quartieren (z.B. Vergit- terungen von Höhlen und Stollen), Schaffung neuer Wohnmöglichkeiten (z.B. Fledermaus- kästen), Erhaltung von Lebensräumen und Jagdgebieten sowie die Pflege von verletzt aufgefundenen Fledermäusen sind Schwerpunkte unserer Arbeit.

Fledermäuse brauchen unsere Unterstützung!

Im Winter können Quartiere durch das Fällen von hohlen Bäumen oder das Abtragen von Holzstapeln zerstört werden. Die Tiere sind in tiefer Winterschlaflethargie und können kaum selbständig einen sicheren Ort aufsuchen. Wer in der Zeit von Oktober bis Mai in Stollen oder Höhlen eindringt, riskiert dass winterschlafende Fledermäuse geweckt werden, die durch diese Störung ihre wertvollen Fettreserven aufbrauchen und im Frühjahr dann zu schwach sind, um zu überleben. Im Sommer kann die Störung einer Wochenstube dazu führen, dass die Jungtiere von ihren Müttern verlassen werden. Jungtiere, die aus ihrem Quartier herausgefallen sind, kann man vorsichtig in den Quartiereingang schieben
oder an einen geschützten Platz setzen, an dem es nach seiner Mutter rufen kann. Verwaiste Kinder klettern wieder aus dem Quartier oder werden nicht abgeholt. Sie brauchen dann dringend weitere Hilfe. Im Herbst kommt es immer wieder dazu, dass sich Fledermäuse in Gebäude verirren. Tagsüber verstecken sie sich und fliegen nachts in den Räumen herum. Ein geöffnetes Fenster kann hier schon die Rettung bedeuten. Manchmal sind diese Tiere aber bereits durch Hunger und Durst so sehr geschwächt, dass auch sie dringender Hilfe bedürfen.

Erste Hilfe für Notfälle

Sollten Sie eine in Not geratene Fledermaus finden, so fassen Sie das Tier nur mit einem Tuch oder mit Handschuhen an, da es vor Angst oft zu beißen versucht. Setzen Sie die Fledermaus in eine Schachtel, die sie mit Luftlöchern versehen und etwas ausgepolstert haben. Achten Sie darauf, daß die Schachtel gut verschlossen ist. Ein kleiner Spalt reicht oft schon, daß die Tiere herausklettern können. Bitte setzen Sie sich sofort mit uns in Verbindung Wir können Sie beraten und das Tier an erfahrene Pfleger weitergeben. Die Tiere werden so
bald wie möglich wieder in die Freiheit entlassen. Noch ein paar Worte in eigener Sache. Da wir alle ehrenamtlich diese Arbeit leisten, freuen wir uns über jede Unterstützung, die Sie uns geben möchten. Wenn es Ihnen möglich ist, bringen Sie die Pfleglinge zu uns, da wir die
anfallenden Fahrtkosten sonst aus eigener Tasche zahlen müssen.

Überreicht durch:
Spendenkonto: E. Hensle, AGF
Kto 130 140 757
BLZ 600 100 75
Postbank Karlsruhe



 

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