Blutgruppen-Immunologie

Es gibt ca. 20 verschiedene Blutgruppenmerkmale. Die wichtigsten sind das ABO-System und das Rhesussystem. àsiehe Genetik! 
Ursache sind best. Oberflächenmoleküle in der Membran der roten Blutzellen (= Erythrozyten), die als Antigene wirken.

Die roten Blutzellen enthalten auf ihrer Membran bestimmte Antigene vom Typ „A“ oder Typ „B“. Diese Struktur ist erblich! (s. Genetik). (Entdeckung: 1900 von Karl Landsteiner)
Besitzt man (nur) das Antigen A, dann hat man die Blutgruppe A
Besitzt man (nur) das Antigen B, dann hat man die Blutgruppe B
Besitzt man das Antigen A und das Antigen B, dann hat man die Blutgruppe AB
Besitzt man weder das Antigen A, noch das Antigen B, dann hat man die Blutgruppe 0

Die Anti-A und Anti-B -Antikörper, die bald nach der Geburt im Blut auftauchen, werden zur Abwehr bestimmter Darmbakterien bzw. Nahrungsbestandteile gebildet. Sie besitzen chemisch ähnliche Strukturen wie die A- und B-Blutgruppenantigene.
Beachte: Die Anti-A und Anti-B- AK sind im Gegensatz zu den Anti-Rhesus-AK  nicht Plazenta-gängig, sonst käme es zu einer Unverträglichkeit zwischen mütterlicher und kindlicher Blutgruppe!

Schema:

Bluttransfusionen:

Die Rhesusunverträglichkeit

Es gibt ein weiteres Blutgruppen-Antigen „D“. Besitzt man das Antigen D, dann hat man die Blutgruppe Rh+.
Besitzt man kein Antigen D, dann hat man die Blutgruppe rh-. (Genotyp: dd)
Beachte: Anders als beim ABO-System bilden sich Anti-D-Antikörper bei rhesusnegativen Menschen nicht ohne vorangegangenen Kontakt mit Rh-positiven Erythrozyten.

Problemfall:  

Eine rhesusnegative Mutter hat ein rhesuspositives Kind
à
kurz vor oder während der Geburt kommen kindliche Blutzellen in den Kreislauf der Mutter (z. B. durch kleine Gefäßverletzungen bei den Wehen) 
à die Mutter wird aktiv gegen Antigen „D“ sensibilisiertà aktive Immunantwort gegen Antigen D
à Produktion von „Anti D“-Antikörpern und Gedächtniszellen.

Bei einem folgenden Kind, das wieder rhesuspositiv sein muss, besteht die Gefahr, dass durch erneutem Blutkontakt kurz vor der Geburt bei der Mutter eine heftige Sekundärantwort ausgelöst wirdà sehr schnelle und starke Produktion von „Anti D“-Antikörper, die die Plazenta (= Mutterkuchen) passieren können und das kindliche Blut zerstören (= Erythrozyten agglutinieren).
à Tod des Kindes durch Gefäßverstopfung.

Gegenmaßnahmen:  
Im Notfall:   
Blutaustausch beim Neugeborenen (
mit rhesusnegativem Blut - warum?

Heute: Nach der Geburt des ersten rhesuspositiven Kindes injiziert man „Anti D“-Serum (passive Immunisierung)à alle eingedrungenen kindlichen rhesuspositiven Zellen werden sofort wegfangen à das mütterliche Immunsystem wird nicht sensibilisiert.
Übungsfrage:
Entdeckt wurde diese Problematik bei einer Frau, die lange vor ihrem ersten Kind eine Bluttransfusion bekommen hatte. Man konnte sich nicht erklären, warum dieses Kind durch Blutverklumpung starb. Erklären Sie, warum hier das erste Kind starb. Geben Sie den Rhesusfaktor der Mutter, der Bluttransfusion und des Kindes an (Blutgruppe unwichtig).
Lösungsvorschlag:

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