Aktive und passive Immunisierung

1)      Aktive Immunisierung:    „Schutzimpfung“

 Def.:  Verabreichung von abgeschwächten oder abgetöteten Erregern (`= Antigene) an Gesunde, die den Körper anregen, in einer aktiven Immunantwort spezifische Antikörper (bzw. Gedächtniszellen) zu produzieren.

-> Der Impfschutz beruht auf einer aktiven Leistung des Körpers -> er muss gesund sein!  

Vorteile:

  • Vorbeugung: Man kann sich gegen viele Krankheiten schützen, bevor z.B. eine Grippe-Epidemie auftritt.

  • Langzeitschutz, da die Gedächtniszellen jahrzehntelang in Produktionsbereitschaft bleiben.

Problem/Nachteile:  
  •  „Impfrisiko“   Erkrankungssymptome durch abgeschwächte Erreger. Deshalb muss man bei der Impfung gesund sein.

  • Wirkung nicht sofort! (keine Urlaubsimpfungen am Flugplatz?!)

2)  Passive Immunisierung:         „Heilimpfung“  

Def.:   Zuführung körperfremder Antikörper zur Bekämpfung einer akuten Infektion (heute auch als kurzfristige Urlaubs-Immunisierung benutzt).

Vorteile:

  • schnelle Heilwirkung durch „geborgte“ Antikörper, wenn das eigene Immunsystem geschwächt ist.

  • kurzfristiger Impfschutz bei Urlaubsreisen. (wenige Wochen, dann sind die AK abgebaut)

Nachteile/Probleme:

  • Gefahr eines allergischen Schocks gegen Tiereiweiße, die bei der Gewinnung aus Tierblutserum als Verunreinigungen bleiben;

  •  kein Langzeitschutz, da die fremden Antikörper schnell abgebaut werden und eigene Gedächtniszellen nicht gebildet werden.

Beispiele für:

  • aktive Immunisierung: 
     
    Polio (Schluckimpfung), Mumps, Masern, Pocken, Tetanus, Röteln,
    Cholera, FSME = Frühsommerhirnhautentzündung,
    Gebärmutterhalskrebs durch humane Papillomviren (HPV), saisonale echte Grippe =Influenza, Hepatitis A, B, Hirnhautentzündung durch Meningokokken, Keuchhusten = Pertussis, Lungenentzündung durch Pneumokokken, Mittelohrentzündung durch Pneumokokken, Typhus, Windpocken
     

  • passive Immunisierung:
     
    Diphtherie, Tollwut, Tetanus; Rhesus-Prophylaxe,
    Botulismus ( Fleischvergiftung), Hepatitis A, B,
     Masern, Röteln, Tollwut

Merke: auch aktive Impfungen bewirken keinen lebenslangen Impfschutz !
Gründe:
  • Die Lebensdauer der Gedächtniszellen beträgt ca. 10 Jahre
  • Bei manchen Tot-Impfstoffen ist die antigene Wirkung  nicht optimal.
  • Manche Erreger (z.B.Grippe-Viren) ändern ihre Antigene häufig durch Mutation.
  • Erreger mit mehreren Wirtsarten (z.B.Grippe-Viren, Tollwut-Viren..) ändern ihre Antigene durch Rekombination, wenn z.B. ein Schwein mit Menschenviren und Schweineviren doppelt infiziert ist, dann kommt es zu Genaustausch zwischen den Virenstämmen.

Folgerung: Auffrischungsimpfungen bei Polio bzw. jährliche Impfungen bei Grippe, Tollwut u.a.

 

Schema: Primär- und Sekundär-Antwort

Deutung „Primärantwort“:

Bei Erstinfektion bzw. aktiver Immunisierung steigt die AK-Konzentration erst verzögert (Tage) an und nimmt nach einigen Wochen wieder ab.  
Begründung:
Es läuft die aktive Immunantwort ab mit Erkennungsphase, Sensibilisierung, Differenzierung zu Plasmazellen. Erst nach einigen Tagen läuft die Wirkungsphase mit der AK-Produktion an.  Die AK-Konzentration nimmt wieder ab, Gedächtniszellen bleiben als "immunologisches Gedächtnis".

Deutung „Sekundärantwort“:

sehr schnelle sehr starke AK-Produktion, da bereits differenzierte Gedächtniszellen vorliegen, die sofort mit der Proteinsynthese beginnen können.  
->
Die Krankheit bricht gar nicht erst aus, man ist immun gegen diesen Erreger.  

Neue gentechnische Impfmethode: Gen-Impfstoffe

Prinzip: Man bewirkt eine aktive Immunisierung durch gentechnisches Einschleusen eines Gens für ein Erreger-Antigen.
 Z.B. wird das Gen für ein bestimmtes Protein (=Antigen) auf der Oberfläche eines Virus  mit Hilfe eines Vektors (z.B. Plasmid) in das Genom des Impflings eingeschleust -> dieser produziert nun das Virus-Protein selbst, das als Antigen wirkt -> es wird eine aktive Immunantwort ausgelöst, die heftiger ist als wenn das Antigen von außen injiziert würde. (siehe ABI 2001)
Am Menschen wird diese Impfmethode bereits getestet: Hepatitis-B, HIV, Malaria, Krebs
Methode: z.B. Injektion in den Muskel.

 Essbare Impfstoffe:
Transgene Pflanzen z.B. Bananen mit Genen für Antigene sollen in der Frucht den Impfstoff (Erreger-Proteine) enthalten.
Problem: Die Verdauung im Magen. Hilfe: Pflanzen-Zellwände sind sehr schwer verdaulich und können Proteine in den Dünndarm retten.
Impfstoff-Gewinnung  

a)     aktive Immunisierung:

Typen von Impfstoffen:

Lebendimpfstoffe: Sie enthalten vermehrungsfähige Erreger, die aber keine Krankheit verursachen. Grund: Die krank machenden   Eigenschaften wurden abgezüchtet, oder es sind Formen, die normalerweise nur Tiere befallen.

Totimpfstoffe: Sie enthalten abgetötete Erreger. Der Immunschutz, den sie bewirken, hält meist nur einige Jahre an und muss dann ggf.  aufgefrischt werden. (z. B. Hepatitis A und Tollwut)

Subunit- und Spaltimpfstoffe: Sie enthalten keine ganzen Erreger, sondern nur ausgewählte Moleküle daraus, die als Antigene fungieren.
         
z.B. Grippeimpfstoffe

Konjugat-Impfstoffe: Spaltimpfstoffe, bei denen das Antigen an eine Trägersubstanz gebunden wird. Diese so genannten Konjugate
erzielen eine stärkere Immunreaktion und einen länger anhaltenden Schutz als das Antigen allein. (z.B. Hirnhautentzündung)

Gentechnische Impfstoffe: Sie enthalten ebenfalls ausgewählte Moleküle eines Erregers als Antigene. Diese werden jedoch nicht aus dem Erreger selbst gewonnen, sondern gentechnisch mit transgenen Hefe-, Säugetier- oder Insektenzellen produziert. (z.B. Hepatitis B, Cholera und Gebärmutterhalskrebs)   

b)    passive Immunisierung:

Serumgewinnung:
Infektion eines Tieres -> aktive Immunabwehr im Tier -> Produktion von spezifischen Antikörpern im Tier -> Blutentnahme-> Serumgewinnung (durch Abzentrifugieren der Blutzellen und der Gerinnungsstoffe )

 

 

Die Pocken-Impfung (2 Narben an den Oberarmen) ist abgeschafft worden, nachdem 1977 der letzte Pockenkranke ( ein 23jähriger Koch aus Somalia) geheilt wurde. 10 Jahre lang mit einem Aufwand von 300Mio Dollar hatte die WHO im "project zero" die Seuche bekämpft.

Übung:
Nennen Sie 2 Gründe, warum Impfungen z.T. jährlich wiederholt werden müssen.

Erläutern Sie den Kurvenverlauf vor und nach der Geburt.
Warum ist Stillen bis zum 6. Monat wichtig?
Eine unterschätzte Gefahr: Hepatitis (STERN 48/98)
Lösungsvorschläge:

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