60 Jahre -8.Mai 1945: Das Ende von Leid, Tyrannei und Tod

Ein Ausstellungsprojekt der Kursstufe Geschichte 13  

Aktualisiert am: 04.05.05

Kontakt: Birgitta Landwehr


Das Kriegsende in Lahr

Am 8. Mai jährt sich das Kriegsende in Europa zum 60. Mal. Überall finden Gedenkfeiern statt. Dies nahm die Kursstufe Geschichte 13 mit ihrem Fachlehrer Herrn Schwab zum Anlass sich mit dem Kriegsende in Lahr auseinanderzusetzen. Das Ergebnis dieser Auseinandersetzung präsentiert der Kurs in der Aula mit der Ausstellung "60 Jahre -8.Mai 1945: Das Ende von Leid, Tyrannei und Tod". 

Zeitzeugenberichte werden vorgelesen


 Lahr 1945- Bilder und Texte der Ausstellung

 

Bekanntmachungen des Landrats, Lahr, 24. April 1945

 

Die Ausgehzeit (ohne Passierschein) wird in Lahr auf die Zeit von 6-20 Uhr festgesetzt, Verlängerungen sind nur in dringenden Fällen möglich und werden durch schriftlichen Passierschein erteilt…Wer sich in der geschlossenen Zeit ohne Passierschein auf der Straße befindet, wird für 24 Stunden in Haft genommen.

Die männliche Bevölkerung der Stadt Lahr im Alter von 14 bis 55 Jahren, hat jeweils 8.30 Uhr, soweit sie sich nicht in einem dauernden Arbeitseinsatz befindet, im Feuerwehrhof beim neuen Rathaus in der Arbeitskleidung anzutreten.

Unbekannt, 25. Juni 1945

 

Lange Zeit habe ich nicht mehr schreiben können, zu schnell vergeht die Zeit, jeden Tag etwas Neues an Herzeleid und Traurigkeit. Sehr wenig Freude. Die französische Besatzung hat sich jetzt bei uns eingelebt und spielt den großen Herrn. Jeden Tag kommen unsere Soldaten bettelarm, abgerissen und abgemagert nach Hause. Weinen kann man, wenn man die armen Menschen nach jahrelangen Kämpfen so in die Heimat kommen sieht. Was hat man den Soldaten alles versprochen an der Front? Was ist gehalten worden? Das Lager in Dinglingen für die politischen Gefangenen ist voll von Häftlingen, Frauen und Männer. Mir persönlich tun die armen Menschen leid. Heute habe ich große Wäsche. Es ist sehr schwer wegen der Ernährung. Der größte Teil der Bevölkerung hungert. Die Besatzung beschlagnahmt alles. Wir haben unsere Gärten und sind noch einigermaßen gut dran.

Gertrud Neumeister, Lahr, Tagebuchnotiz 20. Mai 1945, 

Pfingstsonntag. Heute war ich in der Kirche. Sie war sehr voll von Menschen, die jahrelang nicht mehr darinnen waren. Vor allem sah man viele frühere Parteigenossen. Sie drehen sich alle. Jetzt auf einmal gehen sie wieder in die Kirche…Das erste Fest, das Deutschland seit der Waffenruhe begeht. Feierlich ist die Natur und tiefster Frieden herrscht. Ihr, die ihr später die Blätter lest, ihr könnt es euch gar nicht vorstellen, was wir alles mitmachen mussten von 1939 bis 1945. Es war ein Traum, voll von Alpdrücken und hässlichen Szenen. Es ist überstanden. Die Menschheit atmet auf. Wo ist Hitler? Von ihm fehlt jede Spur. Er war immer der böse Dämon von Deutschland und Europa. Wie ein Dämon ist er verschwunden.

Brief des Rotarmisten Wladimir A., 5. Januar 1945

 

Vater, ich kämpfe auf dem Boden des Feindes, der Euch, meinen lieben Angehörigen, Leid und Unglück gebracht hat. Wegen dem mein Bruder und Euer Sohn umgekommen ist. Nun, was soll’s Ihr habt das Haus verloren, habt Eure ganze Habe verloren, die Ihr in Jahren erworben habt. Ihr habt wegen alledem, was der Feind über unser Nowgorod gebracht hat, tränen vergossen. Und so vergelte ich es ihm dafür. In Feindesland ist jeder unserer Soldaten ein Herr und rächt jeder sich, wie er nur kann. Und es gibt keine Gnade, in keinem Haus. Alles liegt in Scherben. Sollen doch ihre Frauen und Mütter für alles Tränen vergießen, so wie Ihr sie vergossen habt.

 Unbekannt, 15. August 1945

Friede auf Erden. Wenigstens Waffenruhe. Japan hat kapituliert. Die Sieger jubeln. Ein Volk von Helden ist unterlegen. Das Ringen der Völker, das Vernichten der Menschen hat nach sechs Jahren ein Ende gefunden. Die Menschen sind ärmer geworden und um vieles beraubt. Um blanke Liebe und Hoffnung der Menschheit ganz bestimmt. Armut, Not und Hunger gehen in den Völkern um.

Vater nie gekannt

  • Wolfgang Thierse, geboren 1943, floh als Kleinkind mit seiner Familie vor der russischen Armee aus dem brennenden Breslau bei 16 Grad unter Null und 50 Zentimeter Neuschnee. 

  • Gerhard Schröder, geboren 1944, lernte seinen Vater nie kennen, er fiel als Soldat in Rumänien.

  • Horst Köhler, geboren 1943, war als Einjähriger mit der Mutter und drei weiteren Geschwistern auf der Flucht aus Ostpolen, vier Jahre lang lebte er in Lagern.

  • Johannes Rau, Jahrgang 1931, musste als Zwölfjähriger in Wuppertal helfen Leichen zu bergen. 

  • Hans-Olaf Henkel, Jahrgang 1940, lernte seinen Vater nie kennen, er fiel in Ungarn.

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