Medizin im Dritten Reich
Besuch an der Universität Freiburg
im
Institut für Ethik und Geschichte der Medizin
Klasse: 10 c 2006/2007 

Aktualisiert am: 09.10.2007

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Freitag, 20.Juli

 

Das ist doch mal was: Einen Ausflug mit der Klasse machen und dann auch noch ausschlafen können. Denn wir, die 10c-ler, machten am Freitag einen Ausflug nach Freiburg zum Institut für Ethik und Geschichte der Medizin; mussten jedoch erst um 9 Uhr am Bahnhof sein. Das sprach natürlich schon einmal für die Aktion. Frau Dr. Gudrun Pischinger begrüßte uns wie immer mit guter Laune und zählte ihre Schäfchen durch. Der Schock vom vorigen Tag, an dem wir das Konzentrationslager Natzweiler - Struthof im Elsass besucht hatten, war auch schon beinahe verflogen, als wir mit „Sack und Pack“ in den Zug einstiegen. Kleine Anekdoten über die vergangene Nacht oder verspätete Eindrücke vom vorigen Tag wurden schließlich im ratternden Zug ausgetauscht. Der eine schlief noch halb, zusammengekauert in seinem Sitz, während der andere schon putzmunter war. „Freiburg Hauptbahnhof“ brüllte die Sprechanlage. Schon ging es aus dem Zug raus, quer durch Freiburg, einfach immer der roten Tasche von Frau Dr. Gudrun Pischinger hinterher. Da galt es, ja nicht den Anschluss zu verlieren. „Institut für Ethik und Geschichte der Medizin, Freiburg“ lasen wir auf dem glänzenden Schild am Tor des alten Gebäudes. „Was uns da wohl erwarten wird?“, fragten wir uns im Anblick des hohen Gebäudes. Nachdem dann endlich auch der Letzte im Seminarraum Platz genommen hatte, konnte es endlich losgehen.

Herr Dr. med. Cay-Rüdiger Prüll klärte erst einmal die essentiellsten Dinge, die wir für seinen Vortrag wissen mussten. So etwa: Was ist eine Universität bzw. ein Institut? Wo liegen die Unterschiede? Wer macht da eigentlich was? Und warum und wozu? Schließlich ging es "ans Eingemachte". In einem 90-minütigen Vortrag mit einer kleiner Unterbrechung erzählte er uns über das Vorgehen der Medizin im Dritten Reich. Er erarbeitete das Thema mit uns anhand verschiedener Bilder.

 

 

 

Die Ärzte im Dritten Reich benutzen die Leichen unschuldiger Menschen vor allem zu Forschungszwecken aus dem einfachen Grund heraus, dass man in der Medizin Leichen benötigt und die Situation ihnen deshalb gerade recht kam. Sie verstießen nicht nur gegen die Rechte der schon Toten, sondern auch gegen die der Lebenden. Behinderte, Geisteskranke und sogenannte „Assoziale“ wollten die Nationalsozialisten los werden. Sie benutzten dazu die Ärzte, die mitspielten, indem sie die Patienten aus ihren Kliniken bereitwillig den Nazis auslieferten. Endstation: Tötungshäuser! Außerdem betrieben die Ärzte unter anderem Forschungen, mit denen sie die Rassenideologie der Nationalsozialisten beweisen wollten. Die eigentliche Kernaussage war letztendlich, dass die Ärzte sich vor allem zu ihren unmoralischen Handlungen hinreißen ließen, um ihre Stellung und ihr Ansehen in der Gesellschaft zu verbessern und um ungestört Forschungen an Menschen betreiben zu können. Viele waren selbst Nationalsozialisten und handelten somit aus der Überzeugung heraus.

Schockierende und deprimierende Bilder verdeutlichten uns, zu was die Ärzte damals fähig waren. Die Ärzte also taten im Dritten Reich genau das Gegenteil dessen, was man von ihnen erwarten würde. Sie heilten und halfen zwar den Menschen, aber nur jenen, die den Vorstellungen der Nationalsozialisten entsprachen. Viele Ärzte wurden seit den 80ern zwar verurteilt, dennoch gibt es manche die ungeschoren der Justiz entkamen.

Nach Beendigung des Vortrags folgte noch eine Fragestunde und ein kleiner Rundgang durch das Institut. Schließlich besteht ja immer die Hoffnung, dass einer von uns dort mal arbeiten oder zumindest studieren wird und so wussten wir schon mal, wo nicht nur wichtige Räume und Materialien sind, sondern auch, wo sich zum Beispiel die Teeküche befindet.

Viele waren nicht nur vom Inhalt des Vortrags sondern auch von der Art, wie es vorgetragen wurde, beeindruckt. Wir wussten zwar schon zuvor bruchstückhaft von den Verbrechen der Ärzte, doch durch diesen Ausflug bekamen wir einen umfassenden Einblick in die Materie. Leider gab es jedoch auch manche, die den Vortrag einfach unbeirrt und kommentarlos zur Kenntnis nahmen. Die Absicht unserer Lehrerin glückte also größtenteils: Uns für die Machenschaften, Grausamkeiten und Ungerechtigkeiten, die von den Medizinern im Dritten Reich ausgeübt wurden, zu sensibilisieren.

         

 

 


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