Schulspeisung für Kinder der Grundschule in ESSO /

Kamtschatka

 Landeskundliche Information

 zusammengestellt von Gisela Dieterle

Die Halbinsel Kamtschatka befindet sich im äußersten Nordosten Rußlands zwischen 62 und 51 Grad nördlicher  Breite. Ihre nördliche Grenze hat eine Breitenlage entspr. der von  Reikjavik/ Trondheim, der südlichste Punkt liegt auf der gleichen Breite wie Kiew und Brüssel. Die etwa 1600 km lange und durchschnittlich 250-300 km breite Halbinsel wird im W umspült vom Ochotskischen Meer, im O vom Pazifischen Ozean und im NO von der Beringsee . Die Halbinsel ist  durch einen schmalen Isthmus von ca.100 km Breite mit dem Kontinent verbunden. Mit einer Fläche von  rund 472.000 km² ist das Gouvernement Kamtschatka etwas größer  als Deutschland und Österreich zusammen.  

Durch die Halbinsel verlaufen in NO-Richtung 2 parallele Gebirgszüge, die durch eine Längstalung – durchflossen vom Kamtschatka-Fluss – voneinander getrennt sind. Beide Ketten  sind vulkanischen Ursprungs. Das ältere und weniger aktive  der beiden Gebirge (auch als Zentralgebirge bezeichnet), bedeckt die zentrale und westliche Hälfte Kamtschatkas. Es weist  durchschnittliche Höhen  von.ca.1000-2000 m auf. Hier befindet sich nur 1 einziger, vermutlich noch nicht erloschener Vulkan.

Zwischen diesem Zentralgebirge und dem  Ochotskischen Meer liegt ein 600-700 m hohes waldloses Gebiet, die Tundra. Der jüngere, aktive Gebirgsgürtel verläuft vom äußersten Süden der Halbinsel entlang der Pazifikküste nach Norden. Er  ist durchsetzt  von gewaltigen Vulkanen (z. T. über 4000 m hoch), die miteinander durch Kämme und hohe Plateaus verbunden sind. 

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Ursache des aktiven Vulkanismus ist die Subduktion der pazifischen (ozeanischen) Platte unter den eurasischen Kontinentalrand. Das Längstal des Kamtschatka - Flusses ist durch  die beiden Gebirgszüge vor Winden geschützt und dadurch im Frühjahr und Sommer verhältnismäßig warm, so dass es landwirtschaftlich genutzt  werden kann.  

Das Klima variiert von gemäßigt ozeanisch an den Küsten bis zu ausgeprägt kontinental in den zentralen Teilen der Halbinsel. Es wird beeinflusst durch die Zyklonen der japanischen See und des gelben Meeres. Der zentrale Teil der Halbinsel – das Tal des Kamtschatka- weist das kontrastreichste Klima auf. Relativ trockene und warme Sommer mit einer mittleren Julitemperatur von + 18 Grad wechseln ab mit langen, schneereichen und kalten Wintern. Der Kältepol der Region befindet sich bei Verkhne-Penzhino, wo –64 Grad gemessen wurden.  

Die Flora Kamtschatkas hat im Süden  und in der Mitte  Taigacharakter. Nach Norden geht diese in Waldtundra und Gebirgstundra über. Die Wälder K.`s spielen eine große Rolle bezüglich des Wasserhaushaltes, des Bodenschutzes und des allgemeinen Erosionsschutzes. Deshalb kann man sie auch nicht unbedenklich der Holzverwertung zuführen, wie das einige große japanische  Holzkonzerne planen. Hinzu kommt, dass sie den Lebensraum für viele Wildtiere bieten. sowie für die Bevölkerung wichtige sozioökonomische Funktionen wahrnehmen, sei es beim Beeren- und Pilzesammeln oder bei der Jagd.

Die Kolonisation Kamtschatkas erfolgte erst sehr spät, nämlich Ende des 17. Jahrhunderts, als ein Kosackentrupp hier einfiel. 1740 wurde die „Hauptstadt“ Petropawlowsk im Rahmen der 2. wissenschaftlichen Kamtschatkaexpedition von Vitus Bering gegründet. Hier wohnen heute rund 3/4 der Bevölkerung.

Die Gesamtbevölkerung beträgt 439.000, davon leben 85 % ( 350.000 E) in 3 Städten : in Petropavlowsk, Elizewo und Kliyuchi. Die restlichen 15 % konzentrieren sich  in den Flußtälern und an der Küste. Die Bevölkerungsdichte liegt bei weniger als 1 Einwohner pro km² . Das Inland ist, abgesehen von kleineren Dörfern einheimischer Koriaken, die vor allem im Nordteil Kamchatkas von Rentierzucht leben, praktisch unbewohnte Wildnis. Die eigentlichen Ureinwohner, die Koriaken, Itenmenen, Ewenen, Aleuten und Tschukten machen weniger als 2,5 % der Bevölkerung aus, d.h. die Bevölkerungsmajorität besteht zu 97 % aus Russen.  

    

Petropavlowsk war zu Zeiten der „alten“ UDSSR  - nach Wladiwostok- der wichtigste Pazifikhafen der SU. Die  Stadt ist auch heute noch  geprägt  zum einen durch einen (immer noch?) strategisch wichtigen Kriegshafen (U-Boot-Flotte) , zum anderen durch die hier angesiedelte Fischereiindustrie, die - nach dem Niedergang des Schiffsbaus, der Schiffsausrüstungs- und Holzindustrie sowie der Nahrungsmittelindustrie  heute den bedeutendsten  Wirtschaftsfaktor darstellt. Die Bedeutung Petropavlowsks  als Handelshafen hat sehr stark nachgelassen, da die gesamte Region nach dem Zerfall der ehemaligen UDSSR noch stärker „an die Peripherie“ geraten ist.  
Die Ewenen und Korjaken waren ursprünglich nomadisierende Rentierzüchter, die über weite Gebiete des mittleren und nördlichen Kamtschatka  verstreut lebten. Sie wurden in den 20er u. 30er Jahren dieses Jahrhunderts - als sich in Russland der Sozialismus als Staatsform  etabliert hatte - mit dem Fischervolk der Itenmenen in festen Siedlungen zusammengezogen und in neue Arbeitsstrukturen eingebunden. 

In 7 Jahrzehnten gelang dem Apparat des Sowjetkommunismus , diese Völkerschaften total zu entwurzeln und auf sozialistische Prinzipien einzuschwören. Nach dem Zerfall der UDSSR sind die Mechanismen, die dieses nur scheinbar in sich gefestigte System aufrecht erhielten, rasch wirkungslos geworden. Die Rentierzucht in staatlichen Kooperativen, die die Grundlage für die Lebensweise der Korjaken und Ewenen bildete, mußte sich unter den Bedingungen der nun einsetzenden Marktwirtschaft und der damit verursachten wirtschaftlichen Verschlechterung breiter Bevölkerungsteile als unrentabel erweisen. Es erfolgten zahlreiche Entlassungen. Hirten, deren Wissen und Erfahrung einstmals von unschätzbarem Wert für das Überleben ihrer Gemeinschaft waren, leben nun ohne Arbeit und Einkommen in Esso , der Verwaltungszentrale des Rayons Mittelkamtschatka.

Die langen Jahrzehnte staatlicher Gängelung haben Eigenständigkeit und Initiativbereitschaft unter ihnen erlahmen lassen. Politische Desorientierung, mangelnde Ausbildung, Unerfahrenheit im marktwirtschaftlichen Denken - negative Eigenschaften, die auch auf viele andere russische Bevölkerungsteile zutreffen- sorgen zusätzlich dafür, dass die indigene Bevölkerung Kamtschatkas  in den  letzten Jahren  von den ökonomischen Verhältnissen an die Wand gedrückt wurde. Da der russische Ferne Osten heute abgekoppelt ist von den einstigen Versorgungszentralen im europäischen Rußland, fließen staatliche Gelder nur noch in spärlichen  Rinnsalen. Waren erzielen aufgrund hoher Transportkosten überteuerte Preise, Löhne werden nicht mehr ausbezahlt, die Arbeitslosigkeit hat massiv zugenommen. Bittere Armut greift um sich. Das soziale Elend wächst von Jahr zu Jahr, und verschont auch die Kinder nicht.

In Mittel-Kamtschatka, im Rayon Bystrinski, gehört ein besonders hoher Anteil der Bevölkerung  zu indigenen Gruppen (950 von insgesamt 3.500 Einwohnern). Die  oben beschriebene wirtschaftliche und soziale Entwicklung hat dazu geführt, dass hier die Arbeitslosenquote noch höher ist als anderswo.

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