Das Scheffel-Gymnasium beteiligt sich an einem
Hilfsprojekt im Russischen Fernen Osten 

Schulspeisung in der Grundschule von 
Esso auf Kamtschatka 

Kontakt: Christine Götz
Aktualisierung: 19.12.2004


Rekord-Spendenergebnis 2004 für das Schulspeisungsprojekt in Esso

Beim Weihnachtsbasar 2004 wurden für das Schulspeisungsprojekt in Esso 1805,64 € gespendet. Zusammen mit der Kollekte im Jubiläumsgottesdienst und der Kollekte im Schülerweihnachtsgottesdienst konnten wir die Rekordsumme von

2.412,41 € 

im Jubiläumsjahr überweisen

Danke an alle, die zu diesem großartigen Spendenergebnis beigetragen!

Aufruf von Katharina Gernet anlässlich des 200jährigen Jubiläums des Scheffel-Gymnasiums:

Liebe Festgäste!

Leider kann ich nicht persönlich zu Ihnen sprechen. Uns trennt im Moment fast eine ganze Erdhalbkugel. Ich möchte Ihnen aber doch gern im Rahmen des Festes, das Sie heute feiern, einen herzlichen Gruß schicken. Einige von Ihnen haben unser Projekt der Schulspeisung im Dorf Esso auf Kamtschatka seit einigen Jahren sehr treu und großzügig unterstützt. Heute möchte ich Ihnen folgendes sagen:

Ich weiß nicht, wie viele Meter die Höhe des Kirchturmes in Ihrem Ort beträgt, aber gewiss ragt der Turm über die meisten, wenn nicht alle Häuser der Umgebung hinaus. Man kann von seiner Spitze, so stelle ich mir vor, tief in das Umland sehen. Aber bis nach Kamtschatka im russischen Fernen Osten zu blicken, dazu gehört schon besonderes Interesse und Engagement.

Es freut mich sehr, dass Sie ein Ohr für die Menschen haben, die dort in der Ferne, auf der Halbinsel Kamtschatka leben, und dass ich Ihnen davon berichten darf, wie es vor allem den Kindern der Ureinwohner dort ergeht. Manche von Ihnen wissen, dass auf Kamtschatka verschiedene Völker leben, denen es unter den gegenwärtigen Bedingungen nur mit Mühe gelingt, ihren Stand zu behaupten, für ihre Rechte einzutreten und sich würdige Lebensbedingungen zu verschaffen. Die Kinder der Itenmen, der Ewenen und Korjaken können am allerwenigsten für diese Situation und sind doch besonders schwer von ihr betroffen.

Seit einigen Jahren unterstützen Schüler und Erwachsene aus dem Umfeld des Scheffel-Gymnasiums ein Projekt, das gerade diesen Kindern zu Gute kommt: das ist die erwähnte Schulspeisung in der Grundschule von Esso in Zentral-Kamtschatka. Sie ist in diesem Herbst das fünfte Jahr angelaufen. Inzwischen ist die Gruppe der Kinder, die an jedem Schultag mit einem warmen Mittagessen versorgt werden, auf 60 angewachsen. Deren Eltern sind von ganzem Herzen dankbar und erleichtert über diese Hilfe, denn sie selbst schaffen es nicht, ausreichend für ihre Kinder zu sorgen.

Für die Kinder selbst, die zum Teil tuberkuloseinfiziert sind oder aus sozial äußerst schwachen Familien kommen, ist das Mittagessen mit kleiner Vorspeise (meist eine Suppe), einer Hauptspeise und einem Getränk, manchmal auch einem bescheidenen Nachtisch, zum ersehnten täglichen Ritual geworden. Ihr Gesundheitszustand verbessert sich innerhalb eines Schuljahres deutlich. Jedes Jahr wird der Kreis der „Projektkinder“ ein wenig verändert, je nach Verfassung der neu eingeschulten Kinder, die als die Kleinsten Priorität haben.

Im lokalen Zeitungsblättchen „Neues Leben“ des Bystrinski-Bezirkes werden von Zeit zu Zeit kleine Bericht über den außerordentlich erfreulichen Verlauf des Projektes abgedruckt und das Projekt der deutschen Hilfe ist im ganzen Dorf bekannt. Die einheimische Bevölkerung nimmt mit tiefer Verbundenheit zur Kenntnis, dass sich in Europa Menschen um ihr Schicksal sorgen. Hier ist ein Ausschnitt aus einem kleinen Beitrag vom 14. Juni dieses Jahres, den ein paar Mütter gemeinsam verfasst haben:

„... Vier Jahre lang haben unsere Kinder, angefangen von der ersten Klasse, die wunderbare Möglichkeit gehabt, durch die nahrhafte Schulspeisung ihre Gesundheit zu stärken. In diesem Jahr haben sie die vierte Klasse beendet und wir danken allen Förderern in Deutschland für ihre große Barmherzigkeit und Aufmerksamkeit gegenüber unseren Kindern. Die Hilfe hat Früchte getragen: die Kinder sind während der vier Jahr so gut wie nie mehr krank gewesen und konnten auch regelmäßig am Nachmittagsunterricht teilnehmen [...]

Wir möchten allen Menschen, die dazu beigetragen haben, dass dieses Projekt zwischen 1999 und 2004 stattfinden konnte, eine gute Gesundheit, Glück und Wohlergehen wünschen. Haben Sie großen, großen Dank! ...“

In Zusammenhang mit der Schulspeisung wurde im vergangenen Jahr eine flankierende Maßnahme finanziert. Es wird nämlich immer schwieriger, Jahr für Jahr die nötigen Gelder für die Schulspeisung aufzutreiben. So bestand auf Seiten des Vereins wie auch auf Seiten der Grundschule in Esso der Wunsch, das Projekt unabhängiger von laufender finanzieller Unterstützung durch Dritte werden zu lassen. Einen Weg hierzu versprach die eigenständige Beschaffung von frischem und eingemachtem Gemüse durch die Schule selbst.

So wurde 2003 ein Kartoffelfeld (ca. 0,1 ha groß) angelegt. Den entsprechenden Grund und Boden am Rande des Dorfes stellte die Bezirksverwaltung kostenlos zur Verfügung. Für die nötigen Arbeiten zur Vorbereitung des Feldes kam unsere Partnerseite selbst auf. Die ersten Kartoffelpflanzen wuchsen schon heran, als ich im letzten Sommer persönlich nach Kamtschatka reiste. Zudem wurde ein Gemüsefeld direkt bei der Schule auf 2.000 m2 erweitert und von einem kräftigem neuen Zaun umgeben. Auch dort reiften schon Kohlköpfe, Karotten, rote Beete, Zwiebeln und Kräuter, als ich nach Esso kam.

Zudem waren Arbeiten an einem Sommertreibhaus in Gang. Ein bereits existierendes verfallenes Treibhaus wurde mit Mühe und Sorgfalt renoviert: Ein stabiles, neues Gerüst aus Holzbalken wurde errichtet und mit widerstandsfähiger, durchsichtiger Plastikplane überzogen. Kaum stand das Treibhaus, wurden schon Tomaten- und Gurkenpflanzen eingesetzt, die bald erste Früchte trugen.

Ein altes, ebenfalls vollkommen baufälliges, zweiteiliges Treibhaus wurde zu einem Wintergewächshaus renoviert. Es kann mit heißem Thermalwasser beheizt werden, das auf der vulkanischen Halbinsel in reichem Maße vorhanden ist. In dem Wintertreibhaus wachsen neben Tomaten und Gurken auch Zucchini und Paprika sowie in bescheidenen Mengen Südfrüchte: Zitronen, Weintrauben und Melonen. Insgesamt bieten Sommer- und Wintertreibhaus nun eine Fläche von 600 m2 für den Anbau von frischem Gemüse.

Verantwortlich für die Bewirtschaftung von Feld und Treibhäusern ist Klawdija Petrowna Tulupowa, eine energische Endfünfzigerin. Ihre Lohnkosten übernimmt die Bezirksverwaltung. Klawdija Petrowna zeigte mir die Gerätschaften, die für das Projekt angeschafft worden waren: Schaufeln, Spaten, Gießkannen, Wasserschläuche, Eimer ... Gemeinsam besuchten wir auch die Schüler, die auf dem Gemüsefeld zwischen den Reihen von Kartoffelpflanzen Unkraut jäteten. Ich schicke ein paar Fotografien zusammen mit diesem Text, so dass Sie sich ein Bild von alledem machen können.

Der Einsatz, den die Schule für eine ansatzweise Selbstversorgung leistet, ist kein geringer. Er ist sehr zu begrüßen, dass man in Esso für die bessere Verpflegung der Kinder immerhin zu einem Teil selbst aufkommen will. Ganz allein wird die Schule es allerdings nicht schaffen und die Anlage von Gemüsefeld und Treibhäusern enthebt nicht von der Notwendigkeit, weiterhin Fleisch, Eier, Öl, Teigwaren, Molkereiprodukte etc. zu kaufen. Die jährlichen Kosten für die Schulspeisung werden sich aber deutlich verringern. Für dieses Schuljahr haben wir „nur“ noch 6.000 Euro, anstatt wie im letzten Jahr 7.800 Euro geschickt.

Liebe Festgäste, wenn Sie bei Gelegenheit auf den Kirchturm Ihres Ortes steigen und mit scharfem Blick in die Ferne sehen, werden Sie am östlichen Rand des eurasischen Kontinents eine Gruppe von 60 Kindern mit ihren Eltern und Verwandten erahnen, die Ihnen lachend und freudevoll zuwinken. Während ich dies schreibe, erinnere ich mich an die Wichtchen, die sich bei meinem letzten Besuch in der Schule eifrig um mich drängten und mich neugierig über die Schulkinder in Deutschland ausfragten. In Esso gibt es keinen Turm, auf den wir gemeinsam hätten steigen können, um von dort aus nach Europa zu gucken. Gern stelle ich mich aber selbst als „Turm“ zur Verfügung, um beiden Seiten zu helfen, dass sie einander besser „sehen“ mögen.

Ich danke Ihnen im Namen der Menschen im Dorf Esso ganz viele Male für Ihre Anteilnahme und Ihre anhaltende Hilfsbereitschaft und stehe Ihnen gern für weitere Fragen zu dem Projekt und den Verhältnissen auf Kamtschatka zur Verfügung.

 

Katharina Gernet, Ethnologin Universität Halle

Katharina.Gernet@t-online.de

Frau Gernet hält sich bis zum September 2005 zu Forschungszwecken in Esso/Kamtschatka auf und ist wegen der dort vorkommenden Engpässe in der Energieversorgung nicht sicher per Email erreichbar.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Katharina Gernet mit einer Hilfslieferung Mehl


Inhaltsübersicht:

Informationen der Initiatorin des Hilfsprojekts, Katharina Gernet, Berlin

Projektbericht 2000

Landeskundliche Information


Der Einsatz der Klassen am Weihnachtsbasar 2000 zugunsten des Schulspeisungsprojektes in ESSO ergab ( zusammen mit der Weihnachtskollekte und einigen höheren Einzelspenden ) die beachtliche Summe von

DM 1.720,21

 

Die kleine Praskowja ließ sich durch mein Fotografieren nicht im geringsten von ihrer Gemüsesuppe ablenken. Zu ihrer Linken wartete bereits ein Schüsselchen mit Reis, Hühnerfleisch und Rote-Bete-Salat als Hauptspeise. Die Schulleiterin Walentina Iljinitscha Koslowa sagte mir beschämt, die Schule habe kein Geld, um neues Eßgeschirr anzuschaffen. Die Kinder müßten aus alten, zerbeulten Aluminiumnäpfen und -bechern essen und trinken. Besondere Sorge bereite ihr die Ansteckungsgefahr, die von den tuberkuloseinfizierten Kindern ausgeht. Es gebe keine Möglichkeit, sie gesondert zu unterrichten und speisen.  


Informationen der Initiatorin des Hilfsprojekts, 

Katharina Gernet, Berlin

Damit es weitergeht ...

 Liebe Mithelfer bei dem Hilfsprojekt "Schulspeisung in Esso"

Es ist vielleicht nicht ganz der passende Zeitpunkt, um erneut Ihre Unterstützung für das gemeinsam in diesem Jahr gestartete Unternehmen zu erbitten.  Bald schon beginnt der Weihnachtstrubel mit allerlei Ausgaben hier und dort.  An die Türen klopfen die bekannten Hilfsorganisationen, um an die allgemeine vorweihnachtliche Spendenfreudigkeit zu appellieren.  

Aber ich fange doch lieber rechtzeitig an, die Werbetrommel zu rühren und anzumelden, dass auch die Kamtschatka-Sammeldose wieder offensteht, damit unser Projekt im Schuljahr 2001/2001 weiterlaufen kann.

Ich selbst habe einige Anträge bei verschiedenen Hilfsorganisationen eingereicht mit der Bitte um Beiträge zu dem Projekt.  Darunter sind Sternstunden e.V. (München), Kinder in Not e.V. (Hamburg), das Diakonische Hilfswerk der Evangelischen Kirche in Deutschland (Stuttgart) und auch wieder die Mirja-Sachs-Stiftung (München).  Bisher habe ich noch keine Reaktionen erhalten, was vielleicht ein gutes Zeichen ist.

In Penzberg bei München konnte ein wohltätiger Damenkreis für unsere Sache interessiert werden.  Es bleibt noch abzuwarten, ob die Damen das Projekt tatsächlich unterstützen können und wie groß ihr Beitrag sein wird.  

Es gibt also einige Hoffnung auf institutionelle Unterstützung.  Trotzdem bleibt jede privat gespendete Mark wertvoll für Esso.  Ich möchte Sie bei dieser Gelegenheit gerne, falls ich das noch nicht in persönlichem Gespräch getan habe, über ein kleines Nebenprojekt informieren, für das ebenfalls dringend finanzielle Hilfe nötig wäre:

In Esso trat diesen Herbst eine junge Mutter an mich heran, deren sechsjährige Tochter Irina mit zwei Riesenfingem an der rechten Hand geboren wurde.  Walentina Gennadjewna Bijukowa (Evenin) fehlt es an Geld für eine Reise mit der Tochter zur staatlichen Kinderklinik von Moskau, wo man die längst fällige Operation vornehmen könnte.  Nötig wäre ein Betrag von rund 40. 000. - Rubeln (= knapp 3. 000. - DM) für Flugkosten, Unterbringung und Verpflegung sowie einen Kostenbeitrag zur Operation.  Walentina und ihr Mann Wiktor (Russe) haben zusammen ein sehr bescheidenes Monatseinkommen (1.000.- Rubel = 70.- DM), von dem sie gerade eben leben können.  Zum Sparen bleibt hiervon nichts übrig.  Vermittelt wurde mir die Angelegenheit durch die Leiterin der Grundschule von Esso, Walentina Iljinitschna Koslowa, die die Arbeitgeberin des Ehepaares ist und besorgt Anteil an dem Schicksal des Mädchens nimmt.

Irina verspürt zwar keine Schmerzen in der rechten Hand, sie kann diese Hand jedoch nicht gebrauchen, da die beiden Riesenfinger vollkommen unbeweglich sind und bei jeder Tätigkeit der Hand im Wege sind.  Es ist nach Aussage der Ärzte zu erwarten, daß die Finger mit zunehmendem Wachstum von Irina ebenfalls mitwachsen werden.  Die Vorstellung hiervon ist angesichts des aktuellen Standes wahrlich erschreckend.  Schon jetzt leidet Irina unter dem Spott ihrer Altersgenossen.  Als ich sie zum ersten Mal sah, versteckte sie verschämt ihre Hand hinter dem Rücken.

Könnten wir nicht versuchen, dem Kind gemeinsam zu helfen?  Ein privater Kreis von besorgten Damen aus Stuttgart hat bereits beschlossen, hierzu einen Beitrag zu leisten.  Allerdings ist mir noch nicht bekannt, in welcher Höhe.  Auf jeden Fall wird auch von anderer Seite noch Unterstützung nötig sein.  Von größeren Hilfsorganisationen ist hierfür kein Geld zu bekommen, da diese in der Regel keine auf individuelle Fälle ausgerichtete Projekte fördern, schon gar nicht solche im Ausland.

Sowohl für die Schulspeisung in Esso (Stichwort: "Schulspeisung") wie auch die Operation von Irina (Stichwort: "Operation") kann wieder das Spendenkonto von Itemnen e.V. (München) genutzt werden - Bank für Sozialwirtschaft, Konto-Nr. 8827500, BLZ 700 20 500 - und natürlich erhalten Spender auch diesmal wieder vom Finanzamt offiziell anerkannte Bescheinigungen.  

So, und nun will ich Sie nicht weiter mit traurigen Themen behelligen.  Haben Sie eine schöne Vorweihnachtszeit und seien Sie aus der Ferne herzlich gegrüßt,

Ihre Katharina Gernet

PS: Meine Hoffnung: Wenn wir es schaffen, das Schulspeisungsprojekt ein zweites Jahr erfolgreich laufen zu lassen, dann findet sich womöglich eine Institution, die eine dauerhafte Patenschaft für das Projekt übernimmt.  Denn dann dürfte die Sache doch gegen Zweifel bestehen.  


Bild rechts:

Iwan bedankte sich nach dem Essen besonders artig. Er trug mir auf, den deutschen "guten Leuten" herzliche Grüße zu bestellen. Das Essen habe ihm sehr gut gefallen und er sei schon gespannt, was es wohl am nächsten Tag wieder Leckeres zu essen gäbe.  

 


Projektbericht 2000  

 

Während sich die Tragödie des gesunkenen U-Bootes "Kursk" vor der nordrussischen Küste bei weltweiter Anteilnahme über Wochen hinzieht, denken im Dorf Esso in Zentral-Kamtschatka Verwaltungsangestellte und Lehrer über ein anderes Problem nach. Das neue Schuljahr beginnt bald und wie in den letzten Jahren erhebt sich auch nun wieder die Frage, ob und wo sich Mittel auftreiben lassen, um eine Schulspeisung wenigstens für die kleinsten der Schüler durch­führen zu können.  

Seit dem Zerfall der Sowjetunion wurden die von staatlicher Seite hierfür bereitgestellten Finanzen magerer und magerer, bis schließlich gar keine Gelder mehr verfügbar waren. Die Grund- und Mittelschule von Esso sind hierdurch schwer betroffen. Ein Drittel aller Schüler kommt aus indigenen ewenischen Familien. Die Ewenen, einstmals rentierhaltende Jäger und Fischer, sind in den vergangenen zehn Jahren sozial extrem stark abgerutscht. Die Männer haben ihre Arbeit in den staatlichen Rentierhüte- und Jagdbrigaden verloren, retten sich vielfach in dauerhaften Alkoholrausch. Die Frauen allein können ihre oftmals zahlreiche Kinderschar kaum durch schlechtbezahlte Hilfsarbeiten über Wasser halten.

Den Sommer über, während der dreimonatigen Schulferien, schicken die meisten ewenischen Eltern ihre Kinder zu den Großeltern, die noch im Wald, fern von Esso, auf Fischercamps leben. Hier werden die Kinder mit genügend, wenn auch einseitiger Nahrung versorgt: es gibt Fisch von morgens bis abends.Im Herbst, wenn die Kinder ins Dorf zurückkehren, werden Beeren und Pilze gesammelt, die die Fischkost ergänzen. Im langen Winter aber sind die Kinder mehr oder weniger auf die Schulspeisungen angewiesen. Zuhause reicht das Geld kaum für Brot und schon gar nicht für Milch, Nudeln, Reis – von Fleisch, Obst und Gemüse dabei ganz zu schweigen. Im Winter fällt in Esso oft wochenlang der Strom aus, so daß es mit dem Kochen ohnehin Schwierigkeiten gibt. Nur für bestimmte öffentliche Einrichtungen wie Schulen, Kindergarten und Krankenhaus stehen Notaggregate zur Verfügung.


Bild rechts:

Während Stanislaw noch sorgfältig seine Suppe löffelte, war Gennadi bereits beim Hauptgericht angelangt. Es ging beim Essen ein wenig drunter und drüber und die beaufsichtigende Lehrerin hatte alle Hände voll damit zu tun, die einen Kinder beim hungrigen Schlingen zu bremsen und die anderen in ihrer genießerischen Andacht ein wenig anzutreiben.  


Aufgrund von Spenden aus Deutschland kann während des kommenden Unterrichtsjahres für den bedürftigsten Teil der Kinder der Grundschule täglich ein warmes Essen ausgegeben werden. Die Mirja-Sachs-Stiftung (München) als Hauptspender mit 6.000.- DM, das Scheffel-Gymnasium (Lahr) mit 1846.- DM und eine Reihe von Einzelpersonen, die ebenfalls mit jeweils 200.- bis 500.- DM außerordentlich großzügig zu dem Projekt beitrugen, haben gemeinsam insgesamt 13.076.- DM zusammengelegt.  

Dieses Geld wurde zunächst unter dem Stichwort "Schulspeisung" auf dem Spendenkonto des Münchner gemeinnützigen Vereins Itenmen e.V. gesammelt und dann in US-Dollars gewechselt (Gegenwert: 5.723.- USD bei einem Umrechnungskurs von 1:2,26 und abzüglich der Bearbeitungsgebühr von 141,45 DM bzw. 62.- USD). Als zweite Vorsitzende von Itenmen e.V. und Initiatorin des Projektes brachte ich das bare Geld im Rahmen einer privaten Reise persönlich nach Kamtschatka. In der Hauptstadt von Kamtschatka, Petropawlowsk, wurden die Dollars gegen Rubel eingewechselt.  

In Esso angekommen, überreichte ich am übernächsten Tag der Leiterin der Grundschule, Walentina Ilinitschna Koslowa, im Beisein des Verwaltungsleiters von Esso, Gennadi Petrowitsch Dewjatkin, sowie der Leiterin der Schulverwaltung von Esso, Irina Alekseewna Logunowa, der Hauptbuchhalterin der Grund- und Mittelschule, Natalja Petrowna Dorowskich und des Leiters des Heimatkundemuseums, Aleksandr Jakowljewitsch Slugin*, schließlich insgesamt eine Summe von 154.880,32 Rubel.


Bild rechts:

Walentina Iljinitschna Koslowa ist bald zehn Jahre Leiterin der Grundschule. Sie kennt fast alle ihrer über 200 Schüler mit Namen. Oft ist sie frustiert, wenn sie an die vielen Probleme denkt, mit denen ihre Schule seit einigen Jahren zu kämpfen hat und die zumeist durch Geldnot bedingt sind.  


In vorab geführten Gesprächen mit verschiedenen Personen, darunter auch dem Leiter der Mittelschule, Boris Aleksandrowitsch Logunow, war einvernehmlich beschlossen worden, das zur Verfügung stehende Geld der Grundschule zukommen zu lassen. Des weiteren war, nach einigem gemeinschaftlichen Hin- und Herrechnen, festgelegt worden, daß der gesamte Spendenbetrag bei insgesamt 181 Schultagen und einer täglichen Mindestausgabe von 24 Rubeln (= 1,70 DM) pro Kopf für 35 Kinder reichen könnte. In meinem Projektantrag war zwar die Rede von etwa 60 Kindern gewesen. Die Berechnungen dafür hatten allerdings auf anderen Preisen beruht. Seit letztem Jahr betrug die Inflationsrate rund 25%!

Die Krankenschwester der Grundschule, Sinaida Serafimowna Tarasowa, stellte daraufhin eine Liste von 35 Kindern aus besonders schlecht bemittelten Familien – Kinder aus vielköpfigen Familien, Kinder arbeitsloser Elternpaare, Kinder alleinerziehender Mütter etc, die meisten von ihnen tuberkulosegeschwächt – zusammen. Ihre Liste (siehe unten) wurde im Krankenhaus auf Angemessenheit hin überprüft. (Es tauchen manche Familiennahmen, z.B. Adukanow, Koerkow, Tscherkanow, wiederholt auf. Dies bedeutet aber nicht, daß die betreffenden Kinder einer gemeinsamen Familie entstammen. Im Bystrinski-Distrikt leben Ewenen nur weniger Clan-Gruppen, welche sich aber stark verzweigen, so daß die wenigen vorhandenen Familiennamen jeweils zahlreich vertreten sind.)  

Russisches Bildungsministerium

Abteilung Gebiet Kamtschatka

Grundschule des Bystrinski-Bezirk

11. September 2000

Dokument No. 341

684310 Esso

ul. Komsomol’skaja 9

Liste der Grundschulkinder aus dem Dorf Esso, welche kostenlos
verpflegt werden sollen mit Mitteln der Mirja-Sachs-Stiftung und
verschiedenen privaten Spendern aus Deutschland

Tuberkuloseinfizierte Kinder

1.  Schtschetinina Anna       Klasse 4a

2.  Adukanowa Nadjeschda            3a

3.  Waschnina Jekaterina               2b

4.  Adukanowa Anschela                2a

5.  Kojerkow Ilja                          3b

6.  Nikolajew Iwan                       2b

7.  Adukanow Wladimir                 1

8.  Beljajew Denis                        2a

9.  Gorbatschowa Raissa               3b

10. Michajlow Aleksandr                1

11. Michajlow Stanislaw                1

12. Solodikowa Marija                   4

13. Tscherkanowa Assja                1

14. Terguwje Nikolaj                     1

15. Turanow Gennadi                    2a

16. Smolicki Artur                         2b

17. Usatschew Nikolaj                   1

Kinder aus minderbemittelten Familien

 

1.  Adukanow Sergej               Klasse 1

2.  Perchun Maksim              1

3.  Pelat Andrej                           1

4.  Tschernych Praskowja                      1

5. Goldin Grigori                           1

6.  Adukanow Andrej               3

7.  Adukanow Juri                        3

8. Solodikow Sergej               3

9.  Adukanow Pawel                4

10. Kojerkow Aleksej               3

11. Kojerkowa Ksenija               3

12. Kojerkow Maksim              3

13. Tscherkanow Jakow                3

14. Banakanowa Jekaterina            3

15. Adukanowa Ljubow               3

16. Tylkanowa Marina               3

17. Alechina Jekaterina                      3

18. Tylkanowa Tatjana              4

 

Das Geld wurde umgehend auf ein neu eingerichtetes Sonderkonto der Schule mit fester Zweckbindung einbezahlt. Sodann kümmerte sich Natalja Alekseewna Salnikowa, die für die Vorratshaltung der Schule zuständig ist, in Absprache mit der Schulleiterin um die ersten Einkäufe (Zahlungsbelege im Anhang). Für die erste Zeit wurden in Esso u.a. Nudeln, Reis, Gemüse, Fleisch, Tee, Zucker, Salz, Öl etc. besorgt. Den Rest der Lebensmittel will man nach und nach in der 500 km entfernten Hauptstadt kaufen, wo die Preise bedeutend günstiger sind. Da der Transport der Waren unentgeltlich geschehen soll, die Schule aber nicht über ein eigenes Transportauto verfügt, ist man auf private Bereitwilligkeit angewiesen, die es durchaus gibt, aber nicht unbedingt sofort auf Abruf.

Vom Zucker wurde erst eine Teilmenge besorgt. Sein Preis springt von Monat zu Monat erheblich hinauf und hinunter und man will auf eine günstigere Preiskondition warten, zu der man die ganze restliche benötigte Menge für das Jahr kaufen wird (die Kilopreise schwankten in den Sommermonaten zwischen 11 und 25 Rubeln!). Die Zeit der Kartoffel-, Zwiebel- und Karottenernte hatte in Esso soeben erst begonnen, weshalb auch hiervon zunächst nur kleine Mengen angeschafft werden konnten. Das Gemüse wurde von Privatpersonen gekauft zu Preisen, die von der Finanzabteilung der Dorfverwaltung verbindlich festgesetzt sind, um zu verhindern, daß zwischen der Schule als öffentlich-staatlicher Einrichtung und Privathaushalten unlautere Geschäfte zu unterschiedlichen Bedingungen stattfinden. Verderbliche Ware wie Butter, Eier, Fleisch, Obst etc. wird jeweils nach Lagerfähigkeit in verschiedenen Mengen frisch eingekauft. Über die Abnahme von Milch wurde mit der Landwirtschaftskooperative von Esso ein Jahresvertrag abgeschlossen, wodurch verhindert ist, daß der Milchpreis sich im Laufe des Jahres parallel zur Inflation erhöht.

Mit der Schulspeisung konnte ab dem zweiten Schultag, d.h. ab dem 12. September, begonnen werden. Die 35 aus verschiedenen Klassen der Grundschule ausgewählten Kinder wurden mir versammelt vorgestellt. Sie überreichten mir als Stellvertreterin für alle Spender aus Deutschland einen kleinen Dankesbrief zusammen mit einigen Zeichnungen (Kopie im Anhang). Ich begleitete sodann die erste Gruppe zum Essen in den Speisesaal. Diese bestand aus Kindern der ersten und zweiten Klassen. Sie wurden um 12.30 h mit Mittagessen versorgt. An diesem Tag gab es zuerst bunte Gemüsesuppe und dann Hühnerfleisch mit Kartoffelbrei, dazu ein Stück Brot mit Butter und warmen Beerensaft. Die zweite Gruppe aus Dritt- und Viertklässlern kam später an die Reihe. Das entsprach einer vorübergehenden Notregelung aufgrund von Mangel an Kochpersonal. Sowie die zweite Köchin, die im Augenblick noch in Urlaub war, einsatzbereit ist, werden alle 35 Kinder gemeinsam in einer Gruppe zum Essen gehen.

Die Gruppe der größeren Kinder sitzt im Speisesaal. Eine Lehrerin beaufsichtigt die Mahlzeit. Im Bildhintergrund sieht man durch die Durchreiche in die kleine Schulküche. Wenn die Köchin Verstärkung durch eine Kollegin bekommen hat, werden alle 35 Kinder gemeinsam zum Essen gehen.  

Die meisten Kinder waren auffallend adrett gekleidet, schließlich hatten die Lehrerinnen ihnen am ersten Schultag angekündigt, daß sie von mir fotografiert werden sollten. Als ich einen schmächtigen Jungen, der besonders andächtig und sorgfältig seinen Teller leerte, fragte, was er denn an dem Tag zum Frühstück bekommen habe, antwortete er: eine Tasse Tee! Für viele der Kinder ist dieses Schulmittagessen tatsächlich die einzige nahrhafte Mahlzeit für den ganzen Tag. Nachdem die kleine Schar unter Aufsicht der Lehrerinnen fertiggegessen hatte, bedankten sich alle im Chor: Das Essen habe sehr lecker geschmeckt und man gehe schön satt nachhause. Die zweite Gruppe der älteren Kinder begleitete ich am nächsten Tag in den Speisesaal. An diesem Tag standen Rote-Beete-Suppe und dazu Butterbrot, danach Reisbrei, warmer Tee und als Nachtisch eine Banane (eine gewöhnlich unerschwingliche, daher hochbegrüßte Köstlichkeit für die ewenischen Kinder) auf dem Menü. Die Kinder marschierten nach dem Essen frisch gestärkt in den Nachmittagsunterricht.  

Aus verschiedenen Klassen sind die Kinder, die für die Schulspeisung ausgewählt wurden, für ein gemeinsames Foto zusammengekommen.  

Bevor ich abreiste, vereinbarte ich mit der Buchhaltung der Schule, daß die sich im Laufe des Schuljahres noch anhäufenden Zahlungsbelege für Lebens-mitteleinkäufe sowie Kontoauszüge in Abständen gesammelt an mich geschickt werden. Aleksandr Jakowljewitsch Slugin überließ ich mehrere Filmrollen, damit er von Zeit zu Zeit Fotos von der Schulspeisung machen könne. Diese Filmrollen wird er mir zukommen lassen, sobald sich eine Möglichkeit ergibt sie mit irgendeiner Person mitzuschicken.

Alles in allem haben die deutschen Spender ein vor Ort hilfreiches und von der Bevölkerung froh begrüßtes Projekt ermöglicht. In der Hoffnung, die Hilfe aus der Ferne möge im nächsten Jahr fortgeführt werden, gehen die zuständigen Personen sehr gewissenhaft mit der Geldspende um. Für jede Geldausgabe werden Belege angefertigt. Jeden Tag wird detailliert Buch geführt über Mengen und Kosten des verabreichten Menüs. Aleksandr Jakowljewitsch Slugin wird kontrollieren, ob die Buchführung auch weiterhin so ordentlich und transparent vonstatten geht. Nach meinen bisherigen Beobachtungen ist daran  nicht zu zweifeln.

Vielleicht läßt sich ja tatsächlich ein Weg finden, um Esso eine Anschlußfinanzierung für das Schuljahr 2001/2001 zu verschaffen. Über Ideen in dieser Richtung würde ich mich sehr freuen.

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* Aleksandr Jakowljewitsch Slugin hat sich in der Zusammenarbeit mit mir bei ethnografischen Forschungen als zuverlässig und vertrauenswürdig erwiesen. Er genießt auch das Vertrauen bei der lokalen Bevölkerung und wurde deshalb von mir als Vermittlungsperson für das Projekt gewählt. Er wird das Schuljahr über den Verlauf der Speisungen kontrollieren und von Zeit zu Zeit brieflich Bericht erstatten.


Brief, geschrieben von einer Drittklässlerin im Namen aller 35 Kinder

Maksim Koerkov (8 Jahre), "Beim Beerenberg"

Seid gegrüßt, Ihr guten Leute!

Wir danken Euch vielmals für das Geld, das Ihr für uns gespendet habt und das Katharina unserer Schule gebracht hat. Das Mittagessen gefällt uns sehr gut, weil es lecker ist und wir satt davon werden. Wir danken Euch sehr für Eure großzügigen Herzen! Wir wünschen Euch Gesundheit und Glück. Kommt doch einmal als Gäste zu uns nach Esso!

Die Schüler der Grundschule von Esso

13. September 2000


Dankesbrief des Schuldirektors

Brief, geschrieben vom Direktor der Grund- und Mittelschule in Esso, Boris Aleksandrowitsch Logunow

Russisches Bildungsministerium
Abteilung Gebiet Kamtschatka
Grundschule des Bystrinski-Bezirk

15. September 2000

684310 Esso
ul. Komsomol’skaja 9a

Dankesbrief

Die Grundschule des Dorfes Esso im Bystrinski-Bezirk auf Kamtschatka dankt herzlich für die finanzielle Unterstützung bei der Verpflegung von Kindern aus minderbemittelten indigenen Familien bzw. Kindern, die durch Tuberkulose geschwächt sind.

Wir wünschen Ihnen eine gute Gesundheit und viel Erfolg bei Ihrer eigenen Arbeit.

Logunow B.A.
(Schuldirektor)

Pressebericht

Zeitungsnotiz vom 11. September in der Distriktzeitung "Nowaja schisn" ("Neues Leben") über das Hilfsprojekt, verfaßt von Aleksandr Jakowljewitsch Slugin, Leiter des Heimatkundesmuseums in Esso 

"Nimek" aus Deutschland  –  Hilfe aus Überzeugung des Herzens

Bei den Ewenen gibt es einen Brauch, der "Nimek" heißt. Der Sinn dieses Brauches besteht in der gegenseitigen nachbarschaftlichen Hilfe und Versorgung, etwa wenn es um die Verteilung der Beute nach erfolgreicher Jagd geht. Dieser weise Volksbrauch rettete früher oft vor dem Hungertod.

An "Nimek" erinnert auf erfreuliche Weise das Projekt der Ethnologie-Doktorandin Katharina Gernet aus München, die vielen Bewohnern des Bystrinski-Bezirkes bekannt ist. Sie kam dieses Jahr zum dritten Mal zu uns, ihre Besuche verbinden sich stets mit einer guten Tat. So studierte sie im vergangenen Jahr nicht nur die Geschichte und traditionelle Lebensweise unserer Waldleute, sondern sie brachte auch Geld zum Kauf von Medikamenten und Lebensmitteln für die Alten unter ihnen mit, das gutherzige Menschen in Deutschland zu diesem Zweck gespendet hatten. Am Rande sei vermerkt, daß Katharina und ich damals mehr als 800 Kilometer zu Pferd auf schwierigen, zum Teil gefährlichen Waldpfaden zurücklegten, um die Hilfsgüter zu den Waldcamps zu bringen.

Die Idee zu dem diesjährigen Hilfsprojekt war im vergangenen Jahr während des Besuches auf einem der Waldcamps entstanden. Damals fragten wir Lidija Gawrilowna Tylkanowa, eine betagte Ewenin am Fluß Tyrkatschino, warum ihre Enkel so viele Monate im Jahr bei ihr im Wald und nicht unter der Obhut der Eltern im Dorf verbrächten. "Sollen sie in Esso etwa Hunger leiden?",. war ihre Antwort. Sie fügte hinzu, im Winter seien schon Fälle aufgetreten, daß Kinder in der Schule vor Hunger in Ohnmacht fielen.

In diesem Jahr wird es, so kann man wohl mit einiger Sicherheit sagen, solche Fälle in der Grundschule von Esso nicht geben. Nach ihrer letzten Reise sammelte Katharina Gernet binnen eines Jahres unter ihren Freunden und Bekannten Geld für ein Hilfsprojekt. Es reagierten viele, darunter die Mirja-Sachs-Stiftung in München, Gisela Dieterle und die Schüler des Scheffel-Gymnasiums in Lahr, das Reiseunternehmen "Wigwam" in Freiburg und Teilnehmer von Kamtschatka-Touren der letzten Jahre, Alexander Krebs-Gehlen (Sponsor der "Beringia"-Hundeschlittenrennen, Frank­furt) sowie andere Privatpersonen, die ein Herz für Kamtschatka und seine Menschen haben.

Zu Beginn des neuen Schuljahres hat die Grundschule also Spenden in Höhe von insgesamt 154.880 Rubel und 32 Kopeken erhalten. Das wird während des Unterrichtsjahres 30 bis 40 Kindern in Form von täglichen nahrhaften Mittagessen zugute kommen. So wurde es auf einer Sitzung in Anwesenheit des Verwaltungsleiters Gennadi Petrowitsch Dewjatkin sowie Vertretern der Grundschule beschlossen. Als unbefangener Koordinator und Vermittler vor Ort bin ich, Aleksandr Jakowljewitsch Slugin, bestimmt.

Vielen Dank den deutschen Freunden für den "Nimek" – einer Hilfe aus echter Überzeugung des Herzens.


Bei den Ewenen gibt es einen Brauch, der "Nimek" heißt. Der Sinn dieses Brauches besteht in der gegenseitigen nachbarschaftlichen Hilfe und Versorgung, etwa wenn es um die Verteilung der Beute nach erfolgreicher Jagd geht. Dieser weise Volksbrauch rettete früher oft vor dem Hungertod.

An "Nimek" erinnert auf erfreuliche Weise das Projekt der Ethnologie-Doktorandin Katharina Gernet aus München, die vielen Bewohnern des Bystrinski-Bezirkes bekannt ist. Sie kam dieses Jahr zum dritten Mal zu uns, ihre Besuche verbinden sich stets mit einer guten Tat. So studierte sie im vergangenen Jahr nicht nur die Geschichte und traditionelle Lebensweise unserer Waldleute, sondern sie brachte auch Geld zum Kauf von Medikamenten und Lebensmitteln für die Alten unter ihnen mit, das gutherzige Menschen in Deutschland zu diesem Zweck gespendet hatten. Am Rande sei vermerkt, daß Katharina und ich damals mehr als 800 Kilometer zu Pferd auf schwierigen, zum Teil gefährlichen Waldpfaden zurücklegten, um die Hilfsgüter zu den Waldcamps zu bringen.

Die Idee zu dem diesjährigen Hilfsprojekt war im vergangenen Jahr während des Besuches auf einem der Waldcamps entstanden. Damals fragten wir Lidija Gawrilowna Tylkanowa, eine betagte Ewenin am Fluß Tyrkatschino, warum ihre Enkel so viele Monate im Jahr bei ihr im Wald und nicht unter der Obhut der Eltern im Dorf verbrächten. "Sollen sie in Esso etwa Hunger leiden?",. war ihre Antwort. Sie fügte hinzu, im Winter seien schon Fälle aufgetreten, daß Kinder in der Schule vor Hunger in Ohnmacht fielen.  

In diesem Jahr wird es, so kann man wohl mit einiger Sicherheit sagen, solche Fälle in der Grundschule von Esso nicht geben. Nach ihrer letzten Reise sammelte Katharina Gernet binnen eines Jahres unter ihren Freunden und Bekannten Geld für ein Hilfsprojekt. Es reagierten viele, darunter die Mirja-Sachs-Stiftung in München, Gisela Dieterle und die Schüler des Scheffel-Gymnasiums in Lahr, das Reiseunternehmen "Wigwam" in Freiburg und Teilnehmer von Kamtschatka-Touren der letzten Jahre, Alexander Krebs-Gehlen (Sponsor der "Beringia"-Hundeschlittenrennen, Frankfurt) sowie andere Privatpersonen, die ein Herz für Kamtschatka und seine Menschen haben.

Zu Beginn des neuen Schuljahres hat die Grundschule also Spenden in Höhe von insgesamt 154.880 Rubel und 32 Kopeken erhalten. Das wird während des Unterrichtsjahres 30 bis 40 Kindern in Form von täglichen nahrhaften Mittagessen zugute kommen. So wurde es auf einer Sitzung in Anwesenheit des Verwaltungsleiters Gennadi Petrowitsch Dewjatkin sowie Vertretern der Grundschule beschlossen. Als unbefangener Koordinator und Vermittler vor Ort bin ich, Aleksandr Jakowljewitsch Slugin, bestimmt.

Vielen Dank den deutschen Freunden für den "Nimek" – einer Hilfe aus echter Überzeugung des Herzens.


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