Kursstufe des Scheffels auf Exkursion am Kaiserstuhl

Von Rachel Bohnert und Tobias Rentz

Wie entstand der Kaiserstuhl? Wie ist er aufgebaut und wie wird er von uns genutzt und verändert?

Im Rahmen des Erdkundeunterrichts besuchten alle zweistündigen Erdkundekurse des Scheffel-Gymnasiums, den Kaiserstuhl um diese Fragen zu beantworten. Durch eine umfangreiche Führung von Herrn Schächtele erfuhren wir bedeutendes über die Geschichte, Geographie und Geologie des Kaiserstuhls, deren Einfluss auf die Flora und Fauna und Landwirtschaft.

Am Montag, den 14.05., trafen wir uns um acht Uhr am Scheffel-Gymnasium in Lahr und fuhren mit dem Bus in Richtung Kaiserstuhl, wobei unser Reiseführer Herr Schächtele uns bei unserem ersten Stopp in Riegel bei der Kunsthalle Messmer, einer ehemaligen Brauerei, am Nordhang des Michaelsberges bereits erwartete. Hier führte uns Herr Schächtele um die Kunsthalle herum zu einer Felswand, an der man (obwohl sie in einem privaten Garten lag) sehr gut eine schichtartige Veränderung des Gesteins in Farbe sowie in Beschaffenheit erkennen konnte, die sich auf Sedimentgesteine zurückführen ließ. Hier untersuchten wir eine mühsam mit Meisel ergatterte Gesteinsprobe, bei der wir mit Hilfe von Salzsäure einen Kalkanteil nachwiesen. Einen kurzen Fußmarsch weiter stießen wir auf eine zwanzig Meter hohe Lösswand, eine Seltenheit in ganz Europa, wie uns Herr Schächtele berichtete, an der sich durch die unterschiedliche Färbung und Dicke der Lössschichten der Verlauf der Eiszeiten und damit auch die Geschichte des Tals ablesen lässt. In den Eiszeiten wurde in den Gletschergebieten der Alpen der durch Witterung entstandene Quarzstaub von den starken Westwinden in das Tal transportiert, wo er sich ablagerte. Während der Warmzeiten bildete sich aus dem Löss Lössmehl, welches, wie auch Löss, einen hohen Anteil an Kalk hat. Bei der Lehmbildung wird dieser Kalkanteil durch Niederschlag nach und nach aus der oberen Lössschicht ausgewaschen. Dadurch entstehen kalkarme Lösslehmschichten, da der Kalk nach unten absickert. In der nächsten Eiszeit würde die Lößlehmschicht dann wieder von einer frischen Schicht Löß überlagert werden. Durch die unterschiedliche Färbung kalkarmer und kalkreicher Schichten des Gesteins lassen sich so die verschiedenen Warm- und Kaltzeiten ablesen.

Der nächste Stopp war der Badberg im Zentrum des Kaiserstuhls. Hier wurden wir über enge Pfade zu einer Felswand geführt, an der wir eine Besonderheit feststellten: Obwohl das Aussehen des Gesteins auf ein Vulkangestein schließen ließ, konnten wir Kalk nachweisen, was auf ein Sedimentgestein hindeutete. Tatsächlich ist das entdeckte Gestein vulkanisches Gestein aus einer karbonatischen Schmelze, ein seltenes Gestein namens Karbonatit. Neben dem Gestein fanden wir an dem Steinbruch auch die sterblichen (und überraschend gut erhaltenen) Überreste einer Smaragdeidechse, eine im Kaiserstuhl beheimatete Eidechsenart, die mit einer Länge von bis zu 40 Zentimetern die größte Eidechsenart Mitteleuropas ist. Der Rücken des Tieres war glänzend grün mit schwarzen Flecken, wodurch sich schließen ließ, dass wir ein Männchen gefunden hatten. Vom Steinbruch aus ging es wenige Meter weiter zu einer „heißen Quelle“, dem Badloch, die bei unserer Ankunft weder heiß war noch sonderlich viel Wasser enthielt. Von dort aus begann eine Wanderung über den Badberg, die uns über steile Pfade durch einen kleinen Wald und über weite Wiesen führte. Hier wurde uns die immense Wichtigkeit des Weinbaus am Kaiserstuhl bewusst. Die hügelige Landschaft ist mit von Weinreben bestückten Terrassen übersät. Doch das kommt nicht einfach von ungefähr, erklärt uns Herr Schächtele. Der Grund für die Fruchtbarkeit des Kaiserstuhls und seinen landwirtschaftlichen Erfolg ist der Boden. Der Großteil der Oberfläche des Kaiserstuhls ist mit Löss bedeckt, das einerseits eine hohe Standfestigkeit bietet und vermischt mit etwas Humus einen sehr fruchtbaren Boden bildet. Dieser Lössreichtum wurde uns bei unserem Abstecher in die Eichgasse verdeutlicht, einem der wenigen verbliebenen Hohlwege am Kaiserstuhl. Die unter Naturschutz stehende Gasse bei Bickensohl ist die größte verbliebene Löss-Hohlgasse in Baden-Württemberg. Neben dem Boden bietet auch das Klima ideale Vorrausetzungen für den Weinbau. Wegen seiner Stabilität eignete sich der Löß perfekt als Fundament für den Terrassenbau, wobei die Terrassen vor allem als Rebflächen genutzt wurden. Dadurch entstanden die typischen kleinterrassierten Hänge. Aufgrund der Flurbereinigung wurden kleinere Terrassen im Laufe der Zeit durch Handarbeit und später mit Hilfe von Maschinen zusammengelegt und umgestaltet. Durch die Umschichtung des Löss für Großterrassen zum besseren industriellen Nutzen verliert der Löss allerdings seine natürliche Stabilität und wird zunehmend erosionsgefährdet. Da der Einfluss des Niederschlags und der klimatisch-geographischen Bedingungen nicht ausreichend beachtet wurde, kam es sogar dazu, dass einzelne Böschungsoberflächen samt der Vegetation abrutschten und Schäden verursachten. Desweiteren waren die Terrassen bergneigig angelegt, sodass sich an den Oberflächen Kaltluftseen bildeten, und die Reben vor allem in der Blüte erfroren. Somit brachte der Landschaftswandel des Kaiserstuhls durch den Menschen neben den erwünschten Erfolgen mit der Möglichkeit effektiv Weinanbau zu betreiben und der Vergrößerung der nutzbaren Flächen auch unerwünschte und zunächst unerkannte Folgen mit sich.

Schließlich ging es mit dem Bus in den Südosten des Kaiserstuhls, wo wir die vulkanischen Gesteine des Kaiserstuhls betrachten konnten. Diese Gesteine sind von subvulkanischer Natur und entstanden durch das Aufsteigen von glutflüssiger Magma an den Spalten des Grabenbruchs. Das Magma blieb im Inneren des Vulkans stecken und erhärtete dort. Durch die Millionen von Jahren dauernde Erosion kamen diese Gesteine schließlich an die Oberfläche. Vor Ort fanden wir ebendiese Überreste verschiedener vulkanischer Gesteinssorten, unter anderem Tuffe, die man an ihrem hohlraumdurchsetzten Äußeren erkennt.

Abschließend lässt sich sagen, dass diese Exkursion ein sehr lehrreiches Erlebnis für alle beteiligten war. Besonders im Gedächtnis blieb das Ablesen der Eiszeiten am Löß und die eindrucksvolle, wunderschöne Landschaft der Weinberge mit ihren Terrassen, sowie die Flora und Fauna am Kaiserstuhl allgemein.

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