40 Jahre Scheffel

Nico - Streitschlichter und Fels in der Brandung

von Lea Zanger

 

Schulhund - was ist das? Um diese Frage nicht ständig erklären zu müssen, lud unsere Direktorin am Mittwoch, den 4. Oktober, zum Infoabend „Ist das Gymnasium auf den Hund gekommen? - Über die Ausbildung und den Einsatz von Schulhunden“ ein.

Nach einer kurzen Begrüßung durch Frau Bohnsack drehte sich auch schon alles um die Hauptfigur des Abends – unseren Schulhund Nico. Als Geschichtslehrerin kam Frau Rühtz natürlich nicht drumherum, die Herkunft der recht unbekannten Hunderasse zu erläutern: Hovawarte sind eine uralte deutsche Rasse, die um 1220-1235 herum schon existierte. Hovawarte sollten damals Haus und Hof bewachen. Über mehrere Jahrhunderte geriet die Rasse dann in Vergessenheit, bis Ende des 19. Jahrhunderts wieder mit der Züchtung begonnen wurde. Die Hunde sind ortsfest, charakterstark, energisch und intelligent. Sie sind außerdem in der Lage, situationsgerecht handeln zu können und eine verfügen über eine hohe Lernfähigkeit. Diese Intelligenz stelle den Halter aber auch vor das ein oder andere Problem: Bei Befehlen hinterfrage der Hund erst einmal, ob diese nun Sinn machen. Es sei eine relativ hohe Verantwortung, sich immer überlegen zu müssen, ob der Befehl an Nico sinnvoll sei, wie Frau Rühtz erzählte.

Um einen Hovawart überhaupt gut zu halten, braucht er eine Aufgabe, denn er muss ausgelastet sein. Damals habe sie gerne mit ihm eine Rettungshundausbildung begonnen, so Frau Rühtz, fühlte sich dieser aber körperlich nicht mehr ganz gewachsen. Dass so viele Kinder in der Nachbarschaft gelebt hätten, sei „ihre Rettung“ gewesen. Als Nico noch ein Welpe war, habe sie ihn oft beobachtet, wie friedlich er mit den kleinen Kindern auf der Straße saß. Die Kinder hätten sich nicht mehr gestritten, wenn er bei ihnen war. Nach längerer Recherche wurde Frau Rühtz fündig: eine Schulhundausbildung sollte es für Nico werden. Nur am Gymnasium? Bis dahin habe sie kein Gymnasium gekannt, das einen Schulhund hatte - nur Kindergärten, Grund- und Sonderschulen, die dieses Konzept lebten. Aber wieso nicht? Ihre damalige Schule, das Deutschorden-Gymnasium in Bad Mergentheim, wurde oft D.O.G. abgekürzt – da würde doch ein richtiger „DOG“ reinpassen. Nur welche der beiden Variante sollte es werden? Eine Variante war der Schulbesuchshund, der mit seinem Besitzer in den Unterricht eines Lehrers geht und beispielsweise eine Biologiestunde gestaltet. Aufgrund des eigenen Unterrichts und der geringen Beschäftigung für den Hund fiel die Entscheidung aber auf die zweite Variante: ein Hund mit pädagogischen Aufgaben, der den Lehrer aufgrund eines bestimmten pädagogischen Konzept in den Unterricht begleitet und dort hilft. Dafür musste sich die Direktorin natürlich erst einmal überlegen, was der Hund denn können sollte, damit er in ihr pädagogisches Konzept passen würde. Dieses bildete die nächste Frage: „Was ist mein pädagogisches Konzept?“. Da musste sie sich erst einmal überlegen, was sie will: Die Schüler individuell fördern, damit diese dann ruhig und effektiv arbeiten könnten - ausgelöst durch das Gefühl, Zuwendung bekommen zu haben. Und dass die Schüler auch aufeinander Rücksicht nehmen würden. Diese Zuwendung habe man bereits durch wissenschaftliche Untersuchungen bewiesen, wusste Frau Rühtz zu berichten. Die emotionale Intelligenz der Schüler werde gefördert, die Schüler würden motivierter, die Kommunikation untereinander werde gesteigert, die Selbstwahrnehmung ändere sich und die Schüler lernten, was Rücksichtnahme bedeute. Auch die Unterrichtsatmosphäre verbessere sich durch den Schulhund: Dadurch, dass die Schüler lernen, auf Nico Rücksicht zu nehmen, lernen sie auch, aufeinander Rücksicht zu nehmen. Sogar Außenseiter einzugliedern habe Nico bereits geschafft.

Ein Schulhund muss seine eigenen Interessen während des Unterrichts denen der Kinder unterordnen und die Kommunikation zwischen ihm und seiner Besitzerin muss im Unterricht nonverbal erfolgen. Dies zeigte sie anhand verschiedener Erfahrungen aus ihrer alten Schule auf: Von einer sechsten Klasse in Erdkunde, die nicht ruhig arbeiten konnte, bis zu zwei streitenden Schülern. Sie nehme Nico aber nicht in ihren eigenen Unterricht mit, wie man an diesen Beispielen merken konnte und sie darauf noch einmal betonte. Denn schließlich müsse sie diesen Unterricht ja auch gestalten und könne nicht auf die Interaktion zwischen den Schülern und Nico aktiv achten. Daher seien ihr die Vertretungsstunden recht, denn meist bekämen die Schüler Aufgaben von den Lehrern und sie beaufsichtige sie nur. Allerdings könne sie das nicht oft machen, denn mehr als eine Klasse pro Tag bzw. zwei pro Woche seien für Nico zu anstrengend.

 

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