„Von 77 kann ich schon 55 sicher“

 

Ein Interview mit unserer neuen Schulleiterin Sabine Rühtz

Von Lea Zanger

 

Der Gong zum Schulschluss war noch nicht einmal ganz beendet, da war unsere neue Direktorin, Sabine Rühtz, am ersten Schultag schon bereit, sich der Homepage-AG etwas näher vorzustellen. In ihrem Büro gemeinsam mit Schulhund Nico beantwortete sie ausgiebig Leas Fragenkatalog.

Lea: Also… fangen wir mal an. Sie sind jetzt seit ungefähr zwei Monaten Schulleiterin hier am Scheffel. Wie gefällt es Ihnen denn so?

Frau Rühtz: Gut, obwohl ich jetzt gerade diese ruhige Zeit hatte als Schulleiterin, also so richtig fängt das ja heute erst an. Aber ich freue mich auf jeden Fall auf meinen Unterricht.

Lea:  Wie viele Klassen unterrichten Sie dieses Jahr?

Frau Rühtz: Dieses Jahr werde ich eine elfte Klasse in Mathe unterrichten.

Lea: Als Sie zum ersten Mal die Schule gesehen beziehungsweise betreten haben, wie war so Ihr erster Eindruck? 

Frau Rühtz: Also ich war zum ersten Mal hier am 3. Oktober des letzten Jahres, aber da war ich nur ganz kurz im Gebäude als Herr Dr. Schmidt mir ein bisschen was gezeigt hat. Ein zweites Mal war ich am 15. März bei der Schulkonferenz da, aber das erste Mal richtig, als dann auch Schüler da waren, war in der Woche von Herrn Dr. Schmidts Verabschiedung. Baulich ist das Scheffel-Gymnasium ähnlich wie meine alte Schule, die ist in etwa genauso alt wie hier, nur höher, aber von der Art her genauso.

Lea: Kennen Sie inzwischen schon das ganze Kollegium?

Frau Rühtz: Ja, und ganz ehrlich ich denke, von den 77 Namen kann ich 55 sicher zuordnen.

Lea: Respekt. Sie waren jetzt bereits schon 13 Jahre in Bad Mergentheim – inwiefern denken Sie, dass die Erfahrungen von dort Ihnen hier helfen können?

Frau Rühtz: Ach, das hilft immer, denn die Abläufe in der Schule sind eigentlich relativ gleich sofern die Schulleiter es genauso organisiert haben. Zum Glück hatte Herr Dr. Schmidt das genauso organisiert wie ich an meiner alten Schule, sodass ich im Prinzip nur die Eigenheiten der Schule kennenlernen muss, aber das normale Geschäft, was wann im Schuljahr die Schulleitung zu erledigen hat, das weiß ich.

Lea: Was sind Ihre ersten Pläne, die Sie hier am Scheffel in die Tat umsetzen möchten?

Frau Rühtz:  Also der erste Plan ist, erst einmal alles kennenzulernen, so wie es ist, es sich anschauen und dann überlegen, was man daran ändern kann. Also auch, bei welchen Sachen manche jetzt nicht so zufrieden sind. Was ein Schulleiter nie machen sollte, ist herkommen und sagen, dass alles, was vorher stattgefunden hat, nicht gut war und es wird alles anders. Aber ich weiß zum Beispiel, und deswegen habe ich mich auf die Stelle hier beworben, dass am Hochbegabtenzug ein bisschen was gemacht werden soll, aber insgesamt in Baden-Württemberg, nicht nur hier, weil das nicht so gut läuft, wie das Kultusministerium es sich vorgestellt hat. Zudem sind nicht alle 100%ig zufrieden, wie es mit dem China-Austausch funktioniert… das sind auf jeden Fall zwei Sachen, die ich in Angriff nehmen möchte, alles Andere lasse ich erst mal auf mich zukommen und fragen, wie seid ihr eigentlich zufrieden damit, wie lange gibt´s das schon, hat jemand neue Ideen. Ich muss auch nicht alle neuen Ideen haben, die kommen auch oft von den vielen hundert Leuten, die hier im Schulhaus sind.

Lea: Sie haben ja hier Ihren süßen Begleiter – wie sind Sie auf das Konzept, einen Schulhund anzuschaffen, aufmerksam geworden?

Frau Rühtz: Ich habe ihn im November 2006 bekommen, als er gerade einmal acht Wochen alt war. Da war er dann so groß wie sein Kopf jetzt. Damals habe ich noch gar nicht an einen Schulhund gedacht, ich kannte das Konzept auch noch nicht. Ich wusste nur, dass es in Behinderteneinrichtungen Schulhunde gibt, aber an normalen Schulen nicht und dann habe ich beobachtet, wie er sich verhält, wenn Kinder in der Nähe waren. Um unser Haus herum lebten überall kleine Kinder und sobald die auf der Straße spielten, wollte er dazu, lag dann dort, hat sich zahlreiche Legosteine und mehrfach alle Kinderbücher zeigen lassen, und wenn er bei den Kindern war, haben die sich plötzlich nicht mehr gestritten. Von Anfang an waren die Kinder immer ganz friedlich. Und da ein Hovawart sowieso eine Aufgabe brauchte, wollte ich eventuell eine Rettungshundausbildung mit ihm machen, aber da war ich damals schon ein bisschen an der Altersgrenze und wusste nicht, ob ich das körperlich geschafft hätte und dann habe ich nach etwas gesucht, das mit Kindern zu tun hat, habe im Internet recherchiert und dort gab es dann eine Internetseite für Schulhunde. Dann sagte ich mir, okay, das versuche ich, weil es am Gymnasium ganz wenige Schulhunde gibt. Es gibt zwar inzwischen viele Grund- und Sonderschulen, die einen haben, in Altersheimen gibt es sie auch oft, aber Gymnasien sind eine Seltenheit. Und somit musste ein Konzept her.

Lea: Und das hat geklappt?

Frau Rühtz: Ja, also er ist jetzt seit 2008 im Einsatz, das sind jetzt neun Jahre, also Abitur hat er schon und jetzt hoffe ich, dass er noch so zwei Jahre durchhält.

Lea: Wird er Sie auch in den Unterricht begleiten?

Frau Rühtz: In den Unterricht nehme ich ihn nicht mehr so oft mit, also in meinen eigenen sowieso nicht. Wenn ich ihn mitnehme, dann muss ich die Interaktion zwischen Kindern und Hund beobachten, das ist ja das eigentlich Wichtige und im eigenen Unterricht bin ich ja diejenige, die das Ganze steuer. Aber ich habe in meiner alten Schule immer Vertretungsstunden genommen, wenn ein Lehrer krank war. Also wenn ich Zeit hatte, habe ich gesagt, dass ich die Vertretungsstunde nehme und bin mit Nico in die Klasse gegangen. Die Schüler hatten dann Aufgaben bekommen, die sie selbst bearbeiten konnten. Somit musste ich den Unterricht nicht gestalten und konnte Hund und Kinder beobachten. Ansonsten kommen jetzt die Kinder einfach zu ihm. Ein Beispiel aus meiner alten Schule ist ein Siebtklässler, der hat mir zum Abschied ein DIN A4-Blatt gezeigt, da standen mindestens hundert Zahlen drauf. Auf meine Frage, was das sei, antwortete er, dass das alle seine Klassenarbeitsnoten aus den letzten drei Jahren seien. Bei manchen waren rote Kreise drum herum gemalt. Meine Hypothese dazu war, dass das immer seine schlechtesten Noten waren. Das stimmte zwar, aber er hatte sie markiert, weil es die Arbeiten gewesen seien, bei denen er vorher nicht noch einmal eine Minute bei Nico war.

Lea: Wie stehen Sie zur Begabtenförderung?

Frau Rühtz: Ich finde das sehr wichtig, denn die Begabten gehen so schnell und leicht unter. Es wird immer nur nach den Schlechteren geschaut, und mit ihnen viel gemacht. Aber ich finde, man muss die Waage halten und beide Seiten fördern, die einen muss man vielleicht mehr fordern, die anderen fördern. Ich habe in Bad Mergentheim immer mal wieder einzelne Hochbegabte in den Klassen gehabt und durch das Drehtürmodell ist es uns wirklich gut gelungen, ihnen gerecht zu werden. Jetzt ist die neue Erfahrung, wie es mit einem ganzen Hochbegabtenzug ist.

Lea: Kommen wir mal zu den eher persönlichen Fragen… Was waren damals in der Schule Ihre Lieblingsfächer?

Frau Rühtz: Das war unterschiedlich, also es fing an in der Grundschule. Am 7.April 1964 bin ich eingeschult worden, da bin ich nach Hause gekommen und habe zu meiner Mutter gesagt, dass ich jetzt wüsste, ich wollte Lehrerin werden. Ich hatte eine ganz tolle Grundschullehrerin und dann war ich etwa in der siebten Klasse und wir waren bei einer Freundin zu Besuch, und als ich meine Pläne verkündete, meinte sie, sie würde keine Lehrerin werden, aber Mathematik würde sie studieren. Meine Reaktion war dann: „Ih – Mathe?!“ In der achten hatte ich dann aber die Mathelehrerin, die „schuld“ daran ist, dass Mathe mein Lieblingsfach wurde. Aber Sprachen habe ich auch unheimlich gerne gemacht, ich hatte damals Englisch, Latein und Französisch gelernt. Dadurch, dass in Bad Mergentheim Spanisch unterrichtet wird und ich in Lehrproben dann natürlich auch etwas verstehen musste, habe ich in den letzten paar Jahren dann noch Spanisch gelernt. Jetzt ist es ja so, dass wir am Scheffel Italienisch haben, also kannst Du Dir ja denken, was eine meiner jetzigen Aufgaben ist: Italienisch lernen. (lacht) Aber dank meinem Lateinlehrer muss ich in den ganzen romanischen Sprachen keine Vokabeln lernen, der hatte damals dafür gesorgt, dass ich meine Lateinvokabeln heute noch kann. Französisch beherrsche ich recht gut, das heißt, ich muss eigentlich nur für italienisch die Aussprache üben. Aber zum Beurteilen des Unterrichts muss ich ja nicht so viel sprechen, sondern eher verstehen.

Lea: Okay, dann haben Sie jetzt auch eine der nächsten Fragen beantwortet, denn eigentlich wollte ich auch fragen, wie viele Sprachen sie sprechen. Halten wir einfach schon jetzt fest: bald fünf Fremdsprachen.  Was waren denn Ihre Beweggründe, Lehramt zu studieren? Die eben beschriebenen Ereignisse in der Schulzeit?

Frau Rühtz: Die Vorbilder, die ich als Lehrer hatte. Ich hatte auch schlechte Lehrer. Aber die guten, das sind die, die mich dazu gebracht haben.

Lea: Was sind so Ihre Hobbys? Sind Sie in Vereinen tätig?

Frau Rühtz: Also ich gehe gerne wandern oder spazieren,  alleine schon wegen Nico. Wenn ich Zeit habe lese ich unheimlich gerne, viele Krimis und Romane. Mein Sohn versucht aber auch  immer, mir Fantasybücher schmackhaft zu machen. Ich spiele sehr gerne Klavier, wenn ich ganz viel Zeit habe. Während meiner Schulzeit habe ich Leistungssport gemacht - Speerwerfen und Diskus - aber momentan läuft sportlich eher weniger. Vereinstechnisch bin ich im Verein „Kind und Hund". Der beschäftigt sich damit, Präventionsunterricht in Kindergärten und Schulen zu machen und zu zeigen, wie man mit einem Hund umgeht. Für viel mehr habe ich dann aber auch keine Zeit mehr.

Lea: Haben Sie außer Nico noch weitere Haustiere?

Frau Rühtz: Nein, allerdings hatte ich vor ihm schon einmal eine blonde Hovawarthündin, aber die mochte Kinder nicht so sehr.

Lea: Sind Sie in einer Partei aktiv?

Frau Rühtz: Nein, bin ich nicht.

Lea: Sind Sie verheiratet? Wenn ja, haben Sie Kinder?

Frau Rühtz: Ja, ich bin in zweiter Ehe mit einer Frau verheiratet. Mein Sohn ist mittlerweile 32 Jahre alt.

Lea: Fiel Ihnen der Abschied von der alten Schule sehr schwer? Oder hat die Freude auf das neue Abenteuer überwogen?

Frau Rühtz: Also der Abschied fiel mir trotzdem schwer, ich kannte die Menschen dort schon lange, aber ja, überwogen hat die Freude aufs Neue.

Lea: Eine letzte Frage, auch wenn diese am ersten offiziellen Schultag schwer beantwortbar ist: Wenn Sie Ihren Scheffel-„Alltag“ in drei Sätzen beschreiben müssten, wie würden diese dann lauten?

Frau Rühtz: Den kenne ich ja noch nicht, das ist schwierig. Also Alltag in einer Schule sieht so aus, dass man als Schulleiter zum Glück unterrichten darf, nicht viel, aber zumindest ein bisschen, dass man wahnsinnig viel Verwaltungsarbeit hat und, wenn es geht, eigentlich mit so vielen Menschen wie möglich sprechen sollte. Und wenn man jetzt überlegt, dass hier 850 Menschen sind, hat man eigentlich immer etwas zu tun.

Lea: Dann bedanke ich mich für das Interview und wünsche Ihnen eine gute erste Woche hier.

 

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