40 Jahre Scheffel

Acht Jahre im Schnelldurchlauf

Ein letztes Interview mit Herrn Dr. Schmidt

von Lea Zanger

 

Anlässlich seines Abschieds vom Scheffelgymnasium erklärte sich Herr Dr. Schmidt bereit, der Homepage-AG in einem letzten Interview Rede und Antwort zu stehen.

Lea: Fangen wir doch mal an: Wie fühlen Sie sich denn in Ihrer letzten Woche als Nicht-Rentner?

Herr Dr. Schmidt: Man kann die Schule als Schulleiter nicht ausplätschern lassen. Man ist bis zuletzt unter Hochspannung, abschalten kann man nicht. Und das wird bis zum letzten Tag mehr oder weniger durchgehen. Trotzdem wird einem ab und zu bewusst, dass man sich mit bestimmten Dingen bald nicht mehr beschäftigen muss und das ist gut so..

Lea: Was sind Ihre schönsten bzw. prägnantesten Erinnerungen aus der Zeit hier am Scheffel und auch generell aus Ihrer Zeit als Lehrer?

Herr Dr. Schmidt: Das ist jetzt schwierig. Du hast ja bei meiner Verabschiedung gehört. Ich bin mit Leidenschaft Lehrer gewesen und das wollte ich immer werden, schon als Schüler. Da gab es eigentlich keine großen weiteren Überlegungen. Ich habe sehr gerne die ganze Arbeit mit den Schülern gemacht, war auch sechs Jahre Verbindungslehrer am Oken-Gymnasium in Offenburg, Personalrat, also eigentlich habe ich „alles“ mal gemacht. Schule hat mich immer interessiert und ich denke, da kann man wirklich sehr kreativ sein. Man muss natürlich gerne mit den Schülern arbeiten wollen, und dazu braucht man eben auch das ein oder andere Erfolgserlebnis.

Lea: Was bzw. wen werden Sie hier wahrscheinlich am meisten vermissen?

Herr Dr. Schmidt: Ich habe ein großartiges Schulleitungsteam, das sind auch die Lehrer, mit denen ich per "du" bin. Das heißt, das verbindet einen dann natürlich besonders. Die Wertschätzung des Kollegiums habe ich sehr häufig gespürt, das war sehr angenehm. Die Atmosphäre im Kollegium war stets sehr positiv.

Lea: Fällt Ihnen der Abschied aus dem Berufsleben sehr schwer oder sind Sie eher froh darüber?

Herr Dr. Schmidt: Ich denke, ich kann wahrscheinlich erst im Nachhinein bewerten, was mir fehlt. Aber momentan freue ich mich darauf, dass ich bestimmte Dinge wie technische Verwaltungsabläufe nicht mehr machen muss. Man kann jetzt wieder etwas ganz anderes tun, Bücher lesen, Fremdsprachen lernen... Ich hoffe also darauf, das zu tun, zu dem ich bis jetzt oder lange Zeit nicht gekommen bin.

Lea: Sie haben die nächste Frage ja schon fast beantwortet. Was sind jetzt so Ihre ersten Pläne im Ruhestand?

Herr Dr. Schmidt: Das wird erst einmal das Normale sein. Das heißt, wir machen zwei Wochen Urlaub, eine Woche in Finnland bei meinem Bruder, dann drei Tage nach Sankt Petersburg und eine Woche in die Stockholmer Schären und dann sind wir wieder daheim. Unsere Tochter plant einen Umzug, der folgt direkt darauf, so dass ich dann erst Ende August sehe, was ich so anpacke...wenn „die Anderen“ wieder an Schule denken und in die Schule gehen.

Lea: Ihr Schulleiterkollege Frank Woitzik aus Ettenheim hat bei Ihrer Verabschiedung viel über die gemeinsame Zeit im Studium berichtet. Was war Ihr Anreiz, Biologielehrer zu werden und nicht in die Forschung zu gehen?

Herr Dr. Schmidt: Also wir haben nur bei demselben Doktorvater promoviert. Er hat zwar dieselben Fächer studiert wie ich, aber dies geschah zeitversetzt, ich bin ja älter als er. Nun, ich wollte immer in die Schule. Habe dann eine Examensarbeit geschrieben, und die habe ich dann in eine Promotionsarbeit weitergeführt. Zu diesem Zeitpunkt habe ich meine Frau kennengelernt und dann haben wir erst einmal abgewartet, wo sie eine Stelle bekommen würde. Dies war keine einfache Zeit, denn nicht jeder Lehrer hat damals - wie auch heute - gleich eine Stelle bekommen. Dann habe ich also promoviert, kein ganz neuer Schritt in meiner Familie, denn mein Bruder und auch mein Vater haben promoviert in Physik bzw. in der Forstwissenschaft. Während der Promotion, bei den Experimenten, habe ich viel Frustrationstoleranz aufbauen müssen, da zahlreiche Experimente nicht auswertbar waren. Die Senfkulturen verpilzten zum Beispiel. Nach zwei Jahren habe ich aber die experimentelle Arbeit abgeschlossen und dann neben dem  Referendariat die Promotion zu Ende geführt.

Lea: Sie waren ja danach viele Jahre in Offenburg am Oken-Gymnasium, im Vergleich zu hier. Wie schwer war es damals Abschied zu nehmen?

Herr Dr. Schmidt: Ich war zuletzt dort stellvertretender Schulleiter, und da ich insgesamt 26 Jahre am Oken-Gymnasium war, gab es einen sehr großen Abschied. Ich konnte mir damals durchaus vorstellen, jetzt noch acht Jahre lang etwas Anderes zu machen, also die Schulleitung am Scheffel-Gymnasium zu übernehmen.

Lea: Also eher Vorfreude auf ein neues Abenteuer als Abschiedsschmerz?

Herr Dr. Schmidt: Das war sicher so eine Mischung. Die Verwaltung kannte ich ja schon von der Zeit, in der ich das Abendgymnasium in Offenburg geleitet habe und ich war auch Stellvertreter mit den Aufgaben Vertretungsplan, zahlreichem Organisatorischen, aber auch Mitglied der Steuergruppe, also der Schulentwicklungsgruppe. Allerdings gab es auch noch andere Beweggründe, z.B. waren unsere beiden Kinder erwachsen und aus dem Haus.

Lea: Wie ist es eigentlich, wenn das eigene Kind einem eröffnet, dass es denselben Beruf erlernen möchte wie man selbst? Ist man da eher stolz, dass man sein Kind für „seine Sache“ begeistern konnte? Oder eher etwas nachdenklicher?

Herr Dr. Schmidt: Mein Sohn hat nicht Lehramt studiert, aber die Tochter, die ist vier Jahre jünger. Da war es dann für die Eltern eine gewisse Sicherheit, denn hinsichtlich der Berufsfindung wussten wir über Tourismus- und Eventmanagement gar nichts. Da waren wir etwas unsicher über den Werdegang [des Sohnes]. Aber bei der Tochter waren wir dann natürlich sicher, weil wir wussten, was auf sie zukommt. Das Studium war für sie zwar auch hart mit Mathe und Chemie. Aber wir haben gesagt, dass das das Richtige für sie ist.

Lea: Bei Ihrer Verabschiedung haben Sie mithilfe Ihrer Kollegen von den Oken Harmonists Ihre Rede musikalisch untermalt. Wenn sie jetzt im Ruhestand sind, wird es eine kleine Tour geben?

Herr Dr. Schmidt: Das wohl eher nicht. Unser Liederschreiber war ja an dem Morgen leider auch nicht da. Wir haben zwar einen Auftritt am 17. November in Gengenbach, aber wie es dann weitergeht... Es wäre schön, wenn es noch lange weitergeht. Es macht mir Spaß, es macht uns Spaß. Erst am letzten Samstag hatten wir wieder eine Probe. Das waren tolle zwei Stunden.

Lea: Wie ist es damals zur Gründung der Gruppe gekommen?

Herr Dr. Schmidt: Das war bei einer Abiturfeier. Die Abiturienten hatten gefragt, ob die Lehrer Playback „Mein kleiner grüner Kaktus“ singen wollten und dann hat mein Kollege entschieden, Playback gibt es nicht, wir singen live und dann blamieren wir uns wenigstens live. Dann haben wir das gesungen, haben später noch ein paar Jahre mit Noten gesungen und dann haben wir auf einer Oken-Jubiläumsfeier zum ersten Mal frei gesungen. Das war auf einem Treckeranhänger. Es hat einfach immer Laune gemacht, das ist das Wichtigste daran.

Lea: Eine letzte Frage. Wenn Sie ihre Zeit hier am Scheffel mit drei Sätzen beschreiben müssten, wie würden diese lauten?

Herr Dr. Schmidt: Es waren sehr bewegte, interessante Jahre mit einem hervorragenden Sekretariat und Hausmeister, die mir die Arbeit sehr erleichtert haben. Es gab eine sehr gute Unterstützung durch das Lehrerkollegium. Aber es gab auch sehr anstrengende Momente, schulpolitische Ziele in Zusammenarbeit mit dem Schulträger umzusetzen. Auch mit dem Regierungspräsidium und den Vorgaben des Kultusministeriums hätte es einfacher sein können.

Lea: Danke für das Interview und alles Gute für die Zukunft.

 

 

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