De Bont, Eine Odyssee
Aufführung der Theater-AG 2010
 Von  Benno Lorenz und Septimius Fericean
Fotos: Daniel Heitz

Aktualisiert am: 23.3.2010

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Nach dem grandiosen Erfolg der letztjährigen Aufführung der Scheffel-Theater-AG unter der Leitung von Frau Graser-Braun und Frau Möllinger war es mit Sicherheit nicht leicht, dieses Jahr den Zuschauern ähnlich Gutes zu bieten. Doch es ist gelungen! Einmal mehr schafften es die Schauspieler das zahlreich erschienene Publikum in ihren Bann zu ziehen.

Das Stück selbst bildete die Basis dafür: Ad de Bonts Version von Homers Odyssee ist - zumindest in der gesehenen Inszenierung - klassisch genug gehalten für die Liebhaber klassischer Literatur unter uns (zu ihnen bekannte sich natürlich auch Frau Monzel am Premiereabend). Andererseits bildet de Bonts Abwandlung im Ausgang dieses klassischen Stücks - Odysseus' Abkehr von primitiven Rachegelüsten hin zu einer humanistischen Weltanschauung geprägt von Nachsicht und Gnade - einen Anküpfpunkt zum modernen Gedankengut.

Dass ein Epos jedoch ohne gute Schauspieler nichts wert ist, steht außer Frage. Insofern kann man den Mitgliedern der Theater-AG sowie den beiden Regisseurinnen mit größter Bewunderung entgegentreten. Wie sie es geschafft haben, innerhalb der bescheidenen Verhältnisse einer Schul-AG dieses Stück und sich selbst so gelungen und überzeugend in Szene zu setzen, bleibt ihr Geheimnis. Auf jeden Fall aber war die Wirkung auf die Zuschauer großartig. Auch nach weit über zwei Stunden ohne Pause war kein angestrengter, geschweige denn gelangweilter, Blick im Saal zu erkennen. Gerade zu Beginn überschlugen sich die Ereignisse des Stücks in immer wieder neuen Szenen.

Dabei übernahmen oft einige der Schauspieler die Rolle eines Drittpersonerzählers im Chor. So gewann das Stück an epischer Wirkungskraft. Diese wurde auch gekonnt von der beabsichtigten mimischen und gestischen Zurückhaltung einiger Figuren verstärkt. Gerade die Verkörperung des Götterboten Hermes war von göttlicher Strenge und Entrücktheit gekennzeichnet. 

Ganz in diesem Sinne war auch das puristische Bühnenbild,welches aus schwarzen Vorhängen und nur 14 Holzhockern bestand. Objekte waren meistens nur angedeutet, symbolhaft. Zwar ist diese Tatsache den bereist erwähnten erschwerenden Umstände zuzurechnen, unter denen die Theater-AG arbeiten muss. Gerade das strahlte jedoch eine Zeitlosigkeit der Handlung aus.

Auch die Farben beschränkten sich auf Grundtöne. Klare Farben, uni gehaltene Kleidung, all das verstärkte die epische Wirkung der Inszenierung.

Als Kontrast zu Homers Originalstück enthält deBonts Version jedoch einige sprachliche Kontaktpunkte zum modernen Zuschauer: So gibt es etwa zahlreiche Elemente moderner Umgangssprache, welche bei manchen Zuschauern für eine willkommene Abwechslung vom sonstigen Sprachgebrauch sorgen. Dementsprechend unterhaltsam war so manche Szene der Aufführung.

Alles in allem konnten die Zuschauer an jenem Abend eine gekonnte und reichhaltige Mischung aus unterhaltsamen, epischen und tragischen Elementen genießen, all das gekrönt von einem Ausgang mit einem Plädoyer für Menschlichkeit und Verständigung.

Badische Zeitung

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


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