Euripides

A l k e s t i s

 Theater-Ag des

 Scheffel-Gymnasiums Lahr

 9./10./11. Mai 2001

 20 Uhr in der Aula

 


DIE PREMIERE

AM 9. MAI 2001

 

 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 

 
 

 
 

 

 

 

 
 

 

 
 

 

 

  

PRESSESTIMMEN


LAHRER ZEITUNG, 10.5.01

Widersprüchliche Mythen

Christa Möllinger inszeniert »Alkestis« von Euripides am Scheffel-Theater

Mit drei Vorstellungen im Scheffel-Gymnasium tritt die Theater-AG mit »Alkestis« auf. Mit dem klassischen Stück aus dem Jahre 438 vor Christus verabschieden sich auch einige Hauptdarsteller nach langer Zugehörigkeit zur Schauspiel-Gruppe von ihrer Schule. Gestern war Premiere.

VON GEORGIS ZWACH

Lahr. Mitten im Abitur spielen sie noch einmal mit ganzer Intensität. Dass ihr letztes gemeinsames Projekt, einem antiken Stück gilt, ist gewiss kein Zufall. Und wer vernommen hat, dass das traditionsreiche, humanistische Scheffel bald das Latein nicht mehr als erste Fremdsprache anbieten wird, ist geneigt, diese Auswahl auch als Hinweis zu verstehen. [Vgl. Anmerkung der Homepage-Redaktion unten!] So klassisch gab man sich hier noch nie, auch wenn zuvor schon »Iphigenie« und »Die Troerinnen« gezeigt wurden. 

Ganz leise hat Christa Möllinger die Geschichte von den menschlichen Konflikten und den widersprüchlichen göttlichen Mythen inszeniert, die Euripides als Verweis auf Erkenntnis und Eigenverantwortlichkeit versteht. Knapp, und in der Konzentration auf das Wort, verzichtet sie weitgehend auf illusionistische darstellerische Effekte, die der gesuchten anti-heroischen Sicht auf das menschliche Drama im Wege stünden.

Die Handlung ist schnell geschildert: Admet (hervorragend gespielt von Michael Kleine), König von Pherai, hat die Wahl, seinem vorgesehenen Tod zu entkommen, indem er einen anderen Menschen findet, der für ihn zu sterben bereit ist. Alleine Alkestis, seine von allen Menschen geliebte Frau, findet sich bereit und mit dem Tod dieser wunderbaren Schönen (von klassischer Grazie: Sophie Ewald) beginnt sein Leiden an der eigenen Schwäche und die Verzweiflung über ihren Verlust. Am Ende erhält er sie zurück, durch den Einfluss des Freundes Herakles (temperamentvoll als Halbgott mit menschlichen Zügen dargestellt durch Benjamin Himmen), der ihn als dennoch guten Menschen erkennt. Eindrucksvoll wellenartig bewegt sich der Chor über die Bühne, die nichts ist als ein schlicht gehaltener Handlungsrahmen. Schwarze Figuren lassen ihren Mündern Töne entströmen, die den Fortgang des Geschehens kommentieren. Singend, griechisch rezitierend oder in der wunderbaren Nachübersetzung von Ernst Buschor hauchend und deklamierend, vermitteln sie in alter ritueller Gestalt die seit, Euripides erkannten Erfahrungs- und Gestaltungsmöglichkeiten der Menschen, die ihr »Schicksal« nicht für prädestiniert halten. »Und vieles vollenden die Götter unvermutet: Das Erwartete trifft nicht ein. Für das niemals Erhoffte bahnen die Götter den Weg«, sagen sie zum Schluss und diese 2500 Jahre alte Weisheit dürfte den scheidenden Scheffel-Schülern im Gedächtnis bleiben.

-> Artikel im Original (pdf)


Anmerkung der Homepage-Redaktion:

Es ist sachlich falsch und es kann keine Rede davon sein, "dass das traditionsreiche, humanistische Scheffel bald das Latein nicht mehr als erste Fremdsprache anbieten wird", wie im Artikel der LZ behauptet wird. Im Gegenteil: Wir bilden im nächsten Schuljahr eine neue 5. Klasse mit 28 Lateinschülern und führen Latein genauso als erste Fremdsprache wie Englisch und Französisch...


BADISCHE ZEITUNG

Lahr,  11. Mai 2001

Die TheaterAG des ScheffelGymnasiums bringt Euripides’ „Alkestis“ mit Bravour auf die Bühne

Spiel um Liebe und Tod

LAHR. Es war der Wunsch der Schüler der Theater-AG des Scheffel-Gymnasiums, einmal ein antikes griechisches Drama einzustudieren. Am Mittwochabend war die erste von drei Aufführungen des Satyrspiels „Alkestis“ von Euripides zu sehen, und wenn es sich auch nur ansatzweise herumgesprochen hat, wie beeindruckend dieser Theaterabend war, platzt heute Abend die Aula des Scheffel-Gymnasiums aus allen Nähten.

Unter Jugendtheater versteht man gemeinhin etwas anderes, und doch kann man nachvollziehen, was die theaterbegeisterten Schüler an der Sache gereizt hat: Es sind die großen, allgemein gültigen Themen wie Liebe und Tod, Schuld und Reue, es sind die klaren Charakterisierungen, fast Typisierungen der Personen.

Mit viel Mut zur Abstraktion und Reduktion auf das Wesentliche ist die Theater-AG unter der Regie von ChristaMöllinger (Assistenz: Gertraud Graser-Braun) das schwierige Vorhaben angegangen, und hat sich ganz auf die Mimik, die Stimmen und die Raumeindrücke verlassen, die auf der kargen, in schwarz und grau gehaltenen Bühne gut zur Geltung kamen. Thanatos, der Todesgott, mit zur Maske erstarrter Miene gespielt von Andreas Kerbs, verlangt ein junges Todesopfer. Um den eigenen Mann zu retten, bietet Alkestis sich als Opfer an. Apollon (Menno Koller), ein Götter-Freund des Admetos, versucht vergeblich, Thanatos umzustimmen.

Der Todestag für Alkestis ist gekommen. Die Diener (Alexandra Bernal und Jonathan Braun) berichten über den Zustand der Herrin, sie loben ihre Liebe und Opferbereitschaft und klagen über den Verlust. Auch die Kinder (Elisabeth Rösch und Mario Di Clemente) versuchen die Mutter zurückzuhalten, als ob ihr Tod zu diesem Zeitpunkt noch eine Willensentscheidung wäre.

Nach Alkestis’ Tod beklagt Admetos, der Hinterbliebene zu sein, der jetzt mit Schuld und Trauer weiterleben müsse. Er macht seinem alten Vater Pheres (Sven Hager) den Vorwurf, dass nicht er sich statt der jungen Frau geopfert hat, obwohl er sich diesen Vorwurf zuerst selbst machen müsste. Zur Unzeit kommt Herakles zu Besuch, dem Admetos, um die Gastfreundschaft nicht verweigern zu müssen, sein Schicksal verschweigt. Er erfährt dennoch, dass Alkestis tot ist und befreit sie im Kampf mit Thanatos aus dem Totenreich.

Der Chor, Charakteristikum des griechischen Theaters, kommentiert das Geschehen, zeigt innere Konflikte auf, verdeutlicht und verallgemeinert. Neben den hervorragend ausagierten Hauptrollen des Admetos (Michael Kleine), der Alkestis (Sophie Ewald) und des Herakles (Benjamin Himmen) war der Chor das Glanzlicht des Abends. An Intensität waren vor allem die Bilder der Anfangsszenen kaum zu überbieten, in denen Mimik, Choreographie und die glasklare Artikulation der 22 Stimmen minimalistische Traumbilder entstehen ließen. Chorführer Dieter Huber und die Solistin Veronika Faißt gaben der Gruppe Kontur. Die Gesichter hell, die Augen dunkel geschminkt, in schwarzen Kostümen, sprach, summte, bewegte sich der Chor wie ein Fischschwarm über die Bühne.

„Mit gemeinsamer Stimme im Chor zu sprechen bedeutet, in einer lebendigen Figur vollkommen verankert zu sein und gleichzeitig eine Dimension zu erkunden, die den Einzelnen übersteigt; für die Spieler und mich eine neue und schöne Erfahrung“, schreibt Regisseurin Christa Möllinger im Programmheft. Für die Zuschauer auch. Begeisterter Applaus und Glückwünsche aus dem Publikum für diese rundum gelungene Inszenierung.

Juliana Eiland-JunG


Kommentare und Meinungen zur Aufführung

Simon Reinbold (Klasse 11c, der auch die Premierenfotos angefertigt hat)

Das Theaterstück ist wieder ein voller Erfolg für die Theater-AG des Scheffel-Gymnasiums. Die Schauspieler zeigen auch in diesem relativ schweren Stück ihr Talent und sind in allen Szenen glaubwürdig.
Die  etwas andere Besetzung für ein modernes Theaterstück, mit dem aus dem alten griechischen Theater übernommenen Chor, ist ein voller Erfolg und hat eine sehr gute Wirkung für den Eindruck auf das Publikum. Er ist oft in vielen Szenen Begleitung mit Summen, was einen sehr interessanten Eindruck macht. Auch die eher düsteren Gesänge oder Rezitative zu dem Summen heben die düstere Färbung in der Geschichte hervor.
Die Hauptpersonen, vor allem der am meisten auftretende König Atmetos, werden auch realistisch dargestellt und  Frau Möllinger hat wieder bewiesen, dass sie für jeden Schauspieler die richtige Rolle findet.

 


INFORMATIONEN ZUM STÜCK

DIE PERSONEN
 
A l k e s t i s
Personen des Dramas
A p o l l o n Menno Koller
T h a n a t o s, Gott des Todes Andreas Kerbs
C h o r, Bürger von Pherä, 
Freunde des Hauses

Esra Alpsoykan. Mattias Fürstenberger Elena Bär. Veronika Faißt. Katja Geiger Alexandra Bernal . Jonathan Braun Christian Haarhaus. Annemarie Hübers Sven Hager. Lisa Müller. Andreas Kerbs Lena Schmidt. Dieter Huber. Nora Kölblin

Menno Koller. Sandra Masson. Fabian Meier. Jana Trampert. Alexis Papathan

Elisabeth Rösch. Sascha Wenski

C h o r f ü h r e r Dieter Huber
D i e n e r i n der Alkestis   Alexandra Bernal
A l k e s t i s, Admets Gattin
(in der Schlussszene stumme Rolle)   Sophie Ewald
A d m e t o s  Michael Kleine
E u m e l o s, Knabe,
Sohn des Admetos Mario di Clemente
M ä d c h e n, Tochter des 
Admetos (stumme Rolle) Elisabeth Rösch
H e r a k l e s  Benjamin Himmen
P h e r e s, Vater des Admetos Sven Hager
D i e n e r des Admetos Jonathan Braun

Die Szene ist vor dem Königspalast von Pherä.
Aufführung 438 v. Chr.
Musik Christa Möllinger
Stimme Veronika Faißt
Souffleuse N.N.
Ton Stefan Ruder
Licht

Stefan Ruder

Christian Boulay                   

Bastian Bolz

Philip Grundhöfer                   

Viktor Steigerwald

Sebastian Wagner

Kostüme Michael Kleine. Christa Möllinger
Maske Andra Dumitrascu. N.N.
Assistenz Gertraud Graser-Braun
Regie Christa Möllinger

Keine Pause, Dauer ca. 1 Stunde 15 Minuten

Am Ende dieses Schuljahres werden uns sechs AbiturientInnen verlassen, die über ihre gesamte Scheffel-Zeit hinweg die verschie-densten Theaterprojekte unserer Ag mitgestaltet haben. Nach der Aufführung des Kindertheaterstücks "Iphigenie Königskind" von Pauline Mol im Frühjahr 1996 äußerten die SchülerInnen immer wieder den Wunsch, einmal ein antikes Stück aufzuführen.

So spielen wir jetzt "Alkestis", ein Drama, das zugleich  tragisch und komisch ist. Der Bereich des Tragischen wird  berührt, es geht um Fragen des Verhältnisses zu den Göttern, zum Schicksal und zur Transzendenz. Nach tragischem Beginn aber, dem Sterben Alkestis´, greift Herakles ein und bringt in einer märchenhaften Wendung die gestorbene Frau ins Leben zurück.

Im Mittelpunkt unserer Arbeit stand der Chor. Mit gemeinsamer Stimme im Chor zu sprechen bedeutet, in einer lebendigen Figur vollkommen verankert zu sein und gleichzeitig eine Dimension zu erkunden, die den Einzelnen übersteigt, für uns alle eine neue und schöne Erfahrung.

Christa Möllinger


O Haus Admets, in dem ich mit dem Tisch

Der Knechte mich begnügte, selbst ein Gott! Apollon

 

Ich töte, wen ich soll, das ist mein Amt. Thanatos

 

Weh das Elend, Mutter ging hinunter! Eumelos

Kann eine Frau vollkommner sein als sie,

Die ihren Gatten ehrt mit ihrem Tod? Dienerin  

 

Stirb nicht für mich, ich sterbe nicht für dich. Pheres

 

Schon viele Gäste aus verschiednem Land

Hab ich bewirtet in Admetos Haus. Diener

 

Doch keiner hat noch der Alkmene Sohn

Vor eines Feindes Hand erzittern sehn! Herakles

 

Ich sollte sterben, ich verriet mein Los

Und weiß jetzt, dass ich nie mehr glücklich bin. Admetos

 

Ich sterbe, wo es noch zu leben gilt! Alkestis

 

In vielen Gestalten erscheint das

Das Werk der Unsterblichen.

Und vieles vollenden die Götter unvermutet:

Das Erwartete tritt nicht ein,

Für das niemals Erhoffte

Bahnten die Götter den Weg.

So fand dieses Geschehen

Sein Ende und Ziel. Chor  


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